Padang Bai Teil 2: Von schönen Stränden und gruseligen Tempeln

Da wir mittlerweile unseren Mägen wieder mehr zutrauen konnten, wollten wir auch unsere Körper an sich mal wieder mehr bewegen. Dafür bot sich ein Ausflug zum White Sand Beach an, dem Strand am westlichen Stadtrand von Padang Bai – und dem vermeintlich auch schöneren von beiden Stränden. Der Weg dahin führte zunächst durch eine immer noch festlich geschmückte Straße, dann über holprige Wege, die man sicherlich nicht eingeschlagen hätte, wenn man sich nicht sicher wäre, dass es hier zum Strand geht (was immerhin ein paar selbstgeschriebene Schilder bestätigten). Der Weg hatte sich aber gelohnt: seinem Namen alle Ehre machend erwartete uns ein toller Strand mit weißem, feinem Sand und jeder Menge unberührter Natur. Ja, auch hier hatten sich einige Warungs niedergelassen, aber alles war vergleichsweise ruhig und unaufdringlich – und guckte man nur auf das Meer hatte man zwischendurch das Gefühl, ganz alleine hier zu sein. Im Gegensatz zur Blue Lagoon waren hier auch kaum Felsen im Wasser, sodass das badewannenwarme Meer hier viel eher zum Schwimmen einlud. Es war ein schöner Nachmittag am Strand, spätestens jetzt hatte uns das Bali-Flair wieder. Wenn da nicht die dritte Pizza am dritten Abend in Padang Bai gewesen wäre. Aber sie war halt echt lecker…

Zwischen Skepsis und Angst

Für den letzten vollen Tag in Padang Bai hatten wir zwei Aufträge: Wäsche waschen und ein bisschen die bislang ausgelassene Gegend oberhalb der Blue Lagoon zu erkunden. Wie üblich hatten wir uns zum Wäsche waschen eine örtliche Wäscherei bei Google Maps rausgesucht und machten uns auf den Weg vom Hotel zur auserwählten Laundry. Unser Wäscheberg in der Umhängetasche verriet natürlich, was wir vorhatten, und kaum hatten wir die erste Straßenecke erreicht, wurden wir auch schon von einer eifrigen Frau abgefangen, die aus ihrem kleinen Shop gerannt kam. Wir wollten sie gerne abwimmeln und ihr Angebot ablehnen, aber sie wollte wirklich gerne unsere Wäsche waschen. Und ließ nicht locker. Kein Wiegen, kein Abholzettel, keine Ahnung, wie teuer es werden würde…aber gut. Das sind sicher diese kleinen Risiken und Abenteuer, die einen auf einer Weltreise erwarten. Etwas skeptisch, ob wir die Sachen jemals wieder sehen würden (und wenn ja, wie würden sie aussehen?), gingen wir zurück zum Hotel.

Wäsche war also erledigt (so halbwegs), blieb also noch Punkt 2 auf unserer Tagesordnung. Nimmt man am östlichen Ende von Padang Bai nicht den Weg hinunter zur Blue Lagoon sondern hinauf auf die Klippe, verlässt man deutlich die Touristenpfade – was aber zugegebenermaßen auch zu einem großen Teil daran liegen mag, dass es hier schlichtweg nicht viel zu sehen gibt. Allerdings konnten wir von hier aus endlich mal einen Blick auf den Agung erhaschen, der uns ja bislang im Nebel verborgen geblieben war. Laut Google Maps gab es hier mal ein Warung, das aber weg, vielleicht aber auch nur renoviert wurde (es lag viel Baumaterial herum). Ansonsten stehen sowohl auf dem Weg auf die Klippe als auch auf der Klippe selbst ein Tempel, die aber verschlossen waren. Einen weiteren Tempel haben wir durch Zufall gefunden: er war über eine Treppe an den Klippen zu erreichen. Auf der Treppe hatte man das Gefühl, man liefe direkt ins Meer (und damit in wirklich große und laute Wellen, die unter uns tosten). Der Tempel am Ende der Treppe war dann eher ein Schrein, der in den Felsen gehauen war. Es standen Statuen und Schmuck herum und irgendwie war alles sehr gruselig. Die Ratten, die durch den Schrein wuselten, machten das alles auch nicht gerade einladender, weshalb wir diesen seltsamen Ort schnell hinter uns ließen. Zu einem letzten Tempel führte eine andere Treppe hinunter, aber gerade, als wir den Fuß auf die erste Stufe gesetzt hatten, kam von unten ein sehr lautes Geräusch, was wie ein Bellen klang. Welches Monster dort unten auch immer hauste – oder ob es doch nur eine Welle war, die an die Klippe geschlagen hatte – wir werden es nie erfahren. Denn weiter runter haben wir uns dann erst recht nicht mehr getraut. Für unseren großen Mut belohnte uns dann ein prächtiger Sonnenuntergang mit Blick auf die ganze Bucht Padang Bais.

Padang Bai: Ausklang und Fazit

Zwei Randnotizen zum Abschluss: die Wäsche war tatsächlich fertig, als wir sie abholen wollten. Wir haben viel mehr gezahlt, als üblich (was uns irgendwie schon vorher klar war, dass es so enden würde) und ganz trocken war sie auch nicht. Gut. Lehrgeld nennt man das wohl. Und zum Abendessen gab es mal keine Pizza, sondern es ging ins „The Colonial“, was mal wieder eine Empfehlung des Reiseführers war, auch wenn er diesmal nicht ganz so ins Schwarze getroffen hatte wie in Ubud oder Sidemen. Insgesamt haben wir unsere Zeit in Padang Bai – trotz nicht allzu vieler Sehenswürdigkeiten, eines verdrehten Magens und eines abgesagten Tauchkurses – genossen. Man kann sich die Stadt durchaus mal einen Tag anschauen und dann erst eine Fähre woandershin nehmen, wie es die meisten tun. Für einen längeren Aufenthalt gibt es allerdings deutlich sehenswertere Orte auf Bali.