Padang Bai Teil 1: Bali Belly statt Bali Diving
Ruhe, Kälte, Dunkelheit
Es deutete sich bereits am Virgin Beach mit leichtem Unwohlsein an. Wir hatten vorher vom berühmt-berüchtigten Bali belly gelesen, aber man geht ja bei sowas immer davon aus, dass es nur die anderen trifft. Das Problem ist, dass „die anderen“ einen nicht gerade kleinen Teil der Touristen ausmacht, sodass es durchaus vorkommt, dass man selbst einer der anderen wird. Der Bali belly ist im besten Fall eine Magenverstimmung, im schlimmsten Fall eine Lebensmittelvergiftung. Bei uns – und kurioserweise traf es uns alle drei gleichzeitig, obwohl wir meist unterschiedliche Sachen gegessen hatten – war es zum Glück „nur“ ersteres und nachdem sich der Magen im Laufe der Nacht durch alle sich ihm bietenden Körperöffnungen entleert hatte, ging es langsam, aber stetig bergauf. Lästiger und langanhaltender als die Übelkeit war leider ein leichtes Fieber – perfekt bei den hohen Temperaturen Balis, besonders dann, wenn man aus- und umziehen und eine Taxifahrt über sich ergehen lassen muss. Wobei wir hier auf hohem Niveau jammern, denn – und an dieser Stelle einen letzten Gruß an Anne – wir mussten nur eine halbe Stunde Taxi fahren, nicht zwei Flüge und eine Autofahrt zurück nach Deutschland über uns ergehen lassen…
Für uns ging es lediglich von Candi Dasa nach Padang Bai, eine kleine Stadt in einer Bucht, die vor allem bei Tauchern beliebt ist. Und auch wir wollten hier eigentlich unseren Tauchschein machen, den wir jetzt leider aus Gründen absagen mussten. Gutes Timing. Und eben jenes gute Timing fanden wir nun auch bei unserer Ankunft in Padang Bai vor, denn aufgrund eines größeren Festes in der Stadt konnte das Taxi uns nicht bequem vor unserem Hotel abliefern, sondern musste uns am Stadtrand rausschmeißen. Glücklicherweise ist Padang Bai ziemlich klein und ein längerer Fußmarsch mit Fieber und Gepäck durch die Mittagshitze wäre auch nicht wirklich drin gewesen. Angekommen im Absolute Scuba Bali Dive Resort, unserem Hotel für die nächsten vier Nächte, waren wir froh, schon frühzeitig auf unser Zimmer zu können. Das Zimmer war groß und sauber, unser Blick fiel aber vor allem auf das große Bett. Nicht, weil es irgendwie besonders war, einfach nur, weil wir dort dringend rein wollten. Die Rucksäcke wurden in die Ecke geschmissen, die Vorhänge zugezogen, die Klimaanlage eingeschaltet. Für den Rest des Tages haben wir uns strenge Bettruhe verordnet. Und die tat auch wirklich gut, dem Magen wie dem Kopf. Da der Magen irgendwann aber doch wieder ein wenig nach Inhalt lechzte, trauten wir uns runter ins Hotelrestaurant. Da wir unser Unwohlsein ein bisschen mit dem balinesischen Essen verbanden, waren wir froh, hier eine gute Alternative vorzufinden: das Restaurant warb mit dem einzigen Steinofen in ganz Padang Bai (was bei der kleinen Stadt jetzt kein riesiges Kunststück war, aber gut) – und die Pizza tat auch echt gut! So froh waren wir lange nicht mehr über europäisches Essen und unsere Mägen waren auch begeistert. Zumindest ließen sie die Pizza gewähren und verdauten sie brav. Das Schlimmste schien also überwunden zu sein und am nächsten Tag war es Zeit, sich Padang Bai mal außerhalb unserer vier Hotelzimmerwände anzusehen.
Blaue Lagune und italienische Medizin
Wie schon erwähnt ist Padang Bai nicht groß. Es besteht im Prinzip aus der Zufahrtsstraße, an denen sich Supermärkte, Geldautomaten und Shops befinden, einer größeren Straße direkt an der Bucht, die im Grunde nur aus Hotels und Restaurants besteht (und, wie üblich, aus Leuten, die dir Taxis oder Bootstouren andrehen wollen) und einigen kleineren Straßen abseits der Bucht, in denen die Wohngebäude und Tempel untergebracht sind. Wer wie wir ein paar Besorgungen macht (Geld abheben, Wasser kaufen, Obst kaufen…), klappert Padang Bai schon ganz gut ab und hat das meiste bereits gesehen. Padang Bai ist ursprünglich ein kleines Fischerdorf gewesen und das erkennt man auch noch ganz gut. Der Tourismus lebt hier nur von den Tauchschulen und endlos vielen Anbietern von Boots- und Fährverbindungen zu umliegenden (und beliebteren) Zielen wie Lombok oder den Gili Inseln. Deshalb gibt es im Grunde drei Zeitfenster, in denen in der Stadt etwas los ist: morgens, wenn die Tauchkurse beginnen und Tauchausflugsboote die Bucht verlassen, mittags, wenn die großen Fähren ablegen und nachmittags, wenn die Taucher wiederkommen. Davor, dazwischen und danach ist Padang Bai ziemlich verschlafen, was wir aber gar nicht schlimm fanden. So hatten wir nicht das Gefühl, viel zu verpassen, während wir unsere noch angeschlagenen Körper weiterhin größtenteils im Hotelzimmer genesen ließen.
Erst nachmittags, als Hitze und Sonne schon deutlich an Stärke verloren hatten, haben wir uns an diesem Tag nochmal raus getraut. Was Padang Bai nämlich noch zu bieten hat, sind zwei Strände jeweils am Rand der Stadt. Am östlichen Ende – und ziemlich nah an unserem Hotel – liegt die Blue Lagoon, die über eine Treppe zu erreichen ist und, ähnlich wie der Virgin Beach, mit Warungs zum Verweilen einlädt. Wir fanden den Strand deutlich weniger einladend als den Virgin Beach, da der Sand hier weniger weiß (allerdings nicht weniger fein) war und die Bucht generell eher felsig und leider auch etwas dreckig war. Für einen schönen Sonnenuntergang hat es aber allemal gereicht. Danach sollte es nochmal eine Pizza für uns geben, diesmal inklusive Focaccia als Vorspeise (man musste den Magen ja langsam wieder an gängige Portionsgrößen gewöhnen). Warme Pizza hat uns eindeutig besser und schneller vom bali belly geheilt als irgendwelche Medikamente. Manchmal ist kulinarische Medizin die beste.