New York City Teil 5: Nach dem Regen kommt die Sonne
Unser letzter kompletter Tag in New York stand an. Mittlerweile hatten wir uns schon richtig an unser Hostelzimmer gewöhnt und fast schon eine kleine Routine aufgebaut. Sogar unser Frühstücksteller sah inzwischen richtig fotogen aus. Leider war auch für diesen Tag noch der gleiche fiese Regen angesagt. Die Wolken standen sogar teilweise so tief, dass sie viele der Hochhäuser verschluckten. Wir waren ziemlich froh, unseren Aussichtsplattformbesuch schon hinter uns zu haben, denn heute würde man entweder in einer grauen Wand stehen oder auf selbige herabschauen statt auf die Skyline Manhattans. So konnten wir es wieder ruhig und entspannt angehen lassen und nutzten ein kurzes regenfreies Fenster um ein paar Second Hand bzw. Vintageläden im Umkreis abzuklappern. Von denen gibt es in Manhattan jede Menge. Die meisten davon waren allerdings eher halbe Antikmöbelgeschäfte mit ein paar Klamotten als Zusatzangebot, die trotz ihres gebrauchten Zustands so teuer waren wie drei neue T-Shirts anderswo. Nachhaltigkeit schön und gut, würde aber besser funktionieren, wenn sie bezahlbar wäre. In einem Laden sind wir aber letztendlich trotzdem fündig geworden. Hier musste man zwar ordentlich wühlen und stöbern, um zwischen den tausenden von Einzelstücken etwas passendes zu finden, am Ende haben wir aber ein Shirt und ein Basecap für je unter 10 Dollar gefunden.
Menschenslalom im Chelsea Market
Nach einem weiteren Besuch des Hundespielplatzes im Madison Square Park ging es zu unserem letzten Stopp, der uns Zuflucht vor dem Regen bieten sollte. Der Chelsea Market ist im Grunde ein großer überdachter Food Court im Meatpacking Disctrict nahe des Hudson River und ist auch längst in allen größeren Reiseführern vertreten. Neben Restaurants mit Küchen aller erdenklichen Geschmacksrichtungen gibt es noch einige nette Läden für Bücher, Geschenke und Feinkost. Vor allem im Laden für letzteres haben wir uns lange aufgehalten und gestöbert, weil es hier viel zu entdecken gibt. Zu kaufen natürlich auch – wieder mal gut, dass weder Geldbeutel noch Platz in den Rucksäcken dafürsprachen. Ansonsten war der Chelsea Market aber vor allem eins: überfüllt. Das mag auch am Regen gelegen haben, dem viele so entkommen konnten, aber auch generell schien die kleine Halle mit ihren engen Gassen nicht wirklich darauf ausgelegt zu sein, immer mehr Touristen zu fassen. Wenn man aber eh in der Nähe ist, ist der Chelsea Market auf jeden Fall einen kurzen Besuch wert. Wir konnten außerdem eine Straße weiter unsere Postkarten einwerfen und hatten damit direkt noch einen wichtigen Punkt erledigt.
Einmal über die Brooklyn Bridge
An unserem Abreisetag lachte dann wieder die Sonne. Eigentlich gemein, aber es hätte uns deutlich schlechter treffen können. Unser Flug ging erst um 21 Uhr abends, das Gepäck konnten wir im Hostel lassen und so hatten wir quasi noch den kompletten Tag Zeit, um ein letztes Mal das New York Feeling zu erleben. Unter blauem Himmel ging es dazu zur Brooklyn Bridge, die wir an unserem Ankunftstag zumindest schon von unten bewundern konnten. Heute wollten wir der Brücke selbst noch einen Besuch abstatten. Die Brücke ist seit über 100 Jahren eines der Wahrzeichen von New York City. Heute wirkt sie eigentlich wie eine zwar schöne, aber im Grunde ganz gewöhnliche Brücke. Bei ihrer Fertigstellung 1883 war sie allerdings die längste Hängebrücke der Welt und übertraf alle bis dahin existierenden Brücken dieser Art um mehr als 50 Prozent. Von Dumbo aus läuft man fast zwei Kilometer über die Brücke rüber nach Manhattan. Wir waren uns anfangs nicht sicher, ob wir die Strecke laufen würden, vor allem hinsichtlich der Menschenmassen, die mit uns zur Brücke liefen und schon auf der Brücke waren. Am Ende hat es sich aber wirklich gelohnt. Bis auf das uns schon bekannte Ausweichen, wenn Touristen plötzlich abrupt stehen bleiben und alles blockieren, konnte man auf der Brücke ganz entspannt spazieren gehen. Wir kamen an Straßenkünstlern und Essens- und Souvenirständen vorbei und gleichzeitig der Skyline immer näher. Zusammen mit den Brückentürmen auf jeden Fall ein tolles Motiv auf Manhattan. Sicherlich auch zum Sonnenauf- oder -untergang, wenn man Lust hat, so früh aufzustehen. Oder nicht zu spät hinfährt, wie wir an Tag 1…
Spaziergang über die High Line
Auch auf die High Line hatten wir wegen des Wetters bislang verzichtet und konnten ihr jetzt am letzten Tag noch einen Besuch abstatten. Dabei handelt es sich um eine ehemalige Güterzugtrasse, deren nicht abgerissener Teil zwischen 2006 und 2019 in mehreren Phasen begrünt und zu einem Park umgebaut wurde. Heute kann man deshalb ein knapp zwei Kilometer langes Stück an bzw. auf den ehemaligen und teilweise noch sichtbaren Gleisen entlanglaufen und hat auf 8 Metern Höhe einen guten Blick auf die umliegenden Straßen. Im Norden kann man von der High Line auch schon die Aussichtsplattform The Edge erkennen. Außerdem gibt es hier und da Kunst zu entdecken, entweder in Fenstern, auf Terrassen oder Balkonen von angrenzenden Wohnhäusern oder einfach so auf der High Line selbst. Wir sind einmal die komplette High Line bis hoch zu den Hudson Yards abgelaufen, anschließend ging es ein letztes Mal zurück ins Hostel. Dort gab es dann noch einen letzten Kaffee (war ja schließlich inbegriffen), bevor wir zum Flughafen mussten. So sehr wir uns auf unser nächstes Ziel freuten, so schade fanden wir es, aus dieser schönen Unterkunft ausziehen zu müssen. Auch wenn wir uns gleichzeitig einig waren, dass eine Woche New York City am Stück erst einmal reicht. Vielleicht kommen wir irgendwann nochmal wieder, denn die Stadt ist wirklich schön, cool und bei weitem haben wir noch nicht alles gesehen – weder von der Stadt selbst, noch vom Staat New York, der noch so viel mehr zu bieten hat als das Häusermeer Manhattans. Aber fürs erste reichte es. Sowohl unseren Füßen, als auch unseren Ohren und Köpfen, die dringend eine Pause vom Dauerrauschen der Stadt brauchten.
Auf zum JFK
Wer noch keine Pause bekam, waren unsere Schultern. Die mussten unser Gepäck jetzt noch durch die Metro schleppen. Kurzes Absetzten der Rucksäcke nicht inbegriffen, denn so vorteilhaft ein Flug abends auch ist, wenn man den Tag über noch in der Stadt sein kann, so nachteilhaft ist eine längere Metrofahrt mit Gepäck in Manhattan zur rush hour. Ein längeres Ausharren an einer Station kurz vor unserem Ziel wegen irgendeiner Störung half da auch nicht grad weiter. Der JFK Air Train, mit dem wir das letzte Stück zurücklegen konnten, war da glücklicherweise deutlich leerer. Am Flughafen selbst war dafür alles überraschend entspannt und schnell. Zumindest für uns, die wohl einer der deutlich weniger frequentierten Strecken und Airlines für ihre nächste Reise gewählt hatten. Es sollte nach Madeira gehen, der kleinen portugiesischen Insel mitten im Atlantik. Dorthin bietet Azores Airlines von New York aus nämlich sehr praktische und durchaus bezahlbare Direktflüge an. Am Schalter war nichts los, unsere Rucksäcke waren schnell aufgegeben. Und am Gate endete dann unser vierter USA-Aufenthalt so, wie er begonnen hatte: mit einem selbstgeschmierten Bagel.