New York City Teil 4: Von Museen, Streetfood und anderen Schlechtwetteraktivitäten
Das 9/11 Memorial Museum
Nachdem mit der Aussicht vom Rockefeller Center endgültig alle üblichen Erstbesucher-Highlights abgehakt waren, ging es heute zum Ground Zero und dem Museum zum 11. September 2001, beides aber eigentlich längst auch zu Must-do’s aufgestiegen. Zunächst ging es dafür mal wieder mit der Metro los, diesmal Richtung Financial District am südlichen Ende Manhattans. Hier steht heute die Oculus genannte Haupthalle des Bahnhofs, deren Dach wie eine riesige Fischgräte wirkt. Da wir noch zu früh für den Einlass waren (hier gibt es zeitgebundene Tickets, um die Besucherzahl im Museum zumindest ansatzweise zu regulieren), ging es vor dem Museum noch zum Ground Zero. Hier zeigen große wassergefüllte Löcher bzw. Brunnen an, wo die beiden Haupttürme des alten World Trade Center standen. Für uns sehr schwer vollstellbar. Genauso wenig, wie es hier wohl nach den Anschlägen ringsum ausgesehen haben muss. Mittlerweile erinnern die Becken mit den eingravierten Namen der Opfer sowie der riesige Neubau des World Trade Center, in dessen Schatten sich Ground Zero befindet, an den 11. September und sind bis heute eine Begegnungs- und Gedenkstätte für Betroffene und Hinterbliebene.
Das Museum berichtet beeindruckend visualisiert und detailgetreu vom 11. September 2001. Man geht quasi chronologisch durch den Tag, sieht alte Bilder der Türme, aber auch Trümmerteile der Gebäude, gefundene Gegenstände aus den eingestürzten Türmen wie Kleidung, Ausweise und Bücher. Noch eindrücklicher wird es, wenn Videos der Anschläge gezeigt werden oder sogar Telefonate und Funksprüche aus den attackierten Türmen oder entführten Flugzeugen angehört werden können. Im krassen Gegensatz dazu befindet sich mitten im Museum, genau im „Kern“ eines der alten Türme, ein „Ruheraum“ mit Fotos sämtlicher Opfer aus Gebäuden und Flugzeugen inklusive einiger gefundener oder nachträglich angefertigter Habseligkeiten, die von Angehörigen regelmäßig ausgetauscht werden können. Wir wussten nicht wirklich, was uns im Museum erwartet und hatten ein wenig befürchtet, dass alles ein bisschen zu übertrieben (typisch amerikanisch halt) dargestellt wird, aber im Grunde hat man hier einen sehr guten Weg gefunden, die Ereignisse wiederzugeben. Am Ende wird es zwar dann doch nochmal sehr amerikanisch, wenn in einem großen Raum mit gefühlt vier Milliarden Flaggen an den Wänden pathetisch die Aufräumarbeiten und der Wiederaufbau des World Trade Center gezeigt werden, aber sei es drum. Das Museum ist wirklich gut, wenn auch mit 30 Euro pro Person nicht gerade günstig. Was wir allerdings wirklich bemängeln ist die Masse an Besuchern, die gleichzeitig ins Museum gelassen wird. Da man viel lesen muss und auch will, sucht man ständig eine freie Lücke zwischen zu vielen Leuten. Und fühlt sich auch schnell gehetzt, weiter zu müssen und seinen Platz freizugeben. Das ist ziemlich schade. Wir waren trotzdem drei Stunden im Museum und die Beine haben dann ziemlich weh getan. Und die Mägen auch.
Snacken in Greenwich Village
Es war nämlich wieder so weit: Hunger. Dafür bzw. dagegen sind wir in den Stadtteil Greenwich Village gefahren. Der gilt heute als Szeneviertel und coole Leute nennen ihn deshalb auch einfach nur „The Village“. Von Szenevierteln kann man ja halten, was man möchte. Gefühlt heißt das, zumindest in deutschen Städten, immer, dass es viele Kneipen und vegane Restaurants gibt, die Häuser oft ein bisschen abgerockt aussehen und jede Ampel, jedes Straßenschild und jede Laternenstange mit 30000 Aufklebern zugepflastert ist. Greenwich Village, zumindest das, was wir davon gesehen haben, wirkte aber tatsächlich ziemlich cool (also für uns cool, also Ü30-cool, nicht ich-bin-19-und-studiere-jetzt-hier-cool). Für uns gab es hier zunächst ein Falafel-Sandwich bei Mamoun’s und anschließend, weil noch was reinpasste, ein Stück Pizza an der Bleecker Street. Danach war unser Tag auch irgendwie schon rum. Viel früher als die Tage zuvor, wir waren selbst ganz überrascht. Aber unsere Beine würden es uns noch danken.
New York bei Regen
Der nächste Tag begann wie angekündigt mit Regen. Die ganze Woche schon war in den Nachrichten von ungemütlichem Wetter am Wochenende die Rede. Auch schön, in diesen gemäßigten Breitengraden mal wieder verlässliche Wettervorhersagen zu haben. Und da wir so damit rechnen konnten und unsere Outdoor-Aktivitäten eh schon fast alle erledigt hatten, mussten wir uns nicht ärgern. Raus sind wir dennoch, denn den ganzen Tag im kleinen Hostelzimmer abhängen war dann auch nicht so das Gelbe vom Ei. Leider war der Regen aber wirklich fies. Kein Nieselregen, kein Wolkenbruch, irgendwas genau in der Mitte. Also schlimm genug, um ordentlich nass zu werden (was obenrum durch die Regenjacke trocken blieb wurde umso mehr zur Hose abgeleitet), unschlimm genug, um nicht doch definitiv drin zu bleiben. So ging es für uns nochmal zum Madison Square Park und auf den Broadway. Da haben wir immerhin festgestellt, dass New York auch im Regen eine gar nicht mal schlechte Figur macht, wenn sich die Leuchtreklamen in den Pfützen spiegeln.
Mitten in Midtown haben wir außerdem einen richtig echten Discounter gefunden. Hier gab es nicht nur wirklich günstige Lebensmittel, sondern von Klamotten über Drogerieartikel bishin zu Elektronikzubehör alles, was das Touri- und Bewohnerherz begehrt. So ein Laden mitten in Manhattan ist dann doch ziemlich unerwartet, vor allem, wenn man das allgemeine Preisniveau dieser Gegend kennt.
Spielzeug für Groß und Klein
Damit zwischendurch zur Abwechslung mal kein Regen auf die Kapuze trommelt und die Hosen wenigstens im Ansatz trocknen konnten, ging es hin und wieder doch mal ins Innere. Einen Laden hatten wir uns sogar extra noch für die Regenzeit aufgespart. Den FAO Schwarz Spielzeugladen kennt vermutlich irgendwie jeder, zumindest in der Theorie. Hier kauft Kevin (der, der allein in New York ist) im Film ein und verhindert später den Diebstahl. Leider wird man enttäuscht, wenn man sich den Laden wie im Film vorstellt. Sowohl die Fassade als auch das Innere wurden in Chicago gefilmt, der echte Laden in New York diente nur als Inspiration. Außerdem hat der Laden heute einen anderen Standort. Das und die Tatsache, dass Spielzeugläden heute kein Spielzeug mehr aus den 1980ern verkaufen, macht aus dem Laden am Ende einen immer noch coolen und großen, aber doch irgendwie gewöhnlichen Spielzeugladen. Einen sehr lauten allerdings. An jeder Ecke stellen Mitarbeiter irgendwelche Produkte vor und von überall her hört man Kindergeschrei. Gut, kann man ihnen nicht verdenken. Wir sind dann doch schneller als gedacht wieder aus dem Laden geflohen. Trotz Regen.
Eine Ecke weiter steht der Nintendo Store der Stadt. Hier wird angeblich irgendwo ein Gameboy ausgestellt, der im Vietnamkrieg Opfer einer Bombe wurde, aber weiterhin funktioniert. Der Gameboy war quasi das Nokia 3310 seiner Zeit. Gefunden haben wir ihn nicht, dafür aber jede Menge Nintendo-Kram, den man sonst nicht so gehäuft an einem Ort findet. Klamotten, Kuscheltiere, Krimskrams. Alles aber ziemlich teuer und irgendwie auch unnötig. Am Interessantesten war eigentlich die Vitrine im Obergeschoss, in der jede Konsolengeneration seit den 1980er Jahren ausgestellt war. Hier war aber am wenigsten los. Die Kids von heute haben lieber Mario Kart gespielt. Versteh einer die Jugend…
Grand Central Terminal und Hudson Yards
Eine andere Sache, die in Manhattan durchaus sehenswert ist und sich perfekt für einen regnerischen Tag eignet ist das Grand Central Terminal. Hier treffen mehrere Metrolinien sowie Regional- und Fernzüge aufeinander. So hat man praktischerweise nicht nur ein Dach über dem Kopf, man kommt mit der Metro sogar direkt im Gebäude an. Das Terminal betreten über eine halbe Million Menschen am Tag (die meisten aber wohl eher zum Umsteigen und nicht zum Glotzen), was es zum meistbesuchte Gebäude von ganz New York City macht. Gefühlt wurde jede Szene jedes Films, in der irgendwer in einen Zug steigt, in diesem Gebäude gedreht. Wundern tut es aber nicht, das Gebäude ist nämlich wirklich cool.
Da vom Grand Central Terminal eine Metro direkt zum Stadtviertel und gleichnamigen Einkaufszentrum Hudson Yards fährt, wollten wir diese Indoor-Aktivität gleich auch noch mitnehmen. Da wussten wir aber noch nicht, dass die Haltestelle zwar Hudson Yards heißt, man aber nicht bequem unterhalb der Mall aussteigt, sondern noch ein paar Blocks weit laufen muss – und dann wieder komplett nass wird. Dafür kamen wir so am Vessel vorbei, einem ehemals begehbaren Kunstobjekt, das mittlerweile geschlossen ist, nachdem es in der Vergangenheit nicht nur von Touristen oder Liebhabern moderner Kunst besucht wurde, sondern auch mehrfach als Sprungbrett in den Freitod genutzt wurde. Vorsichtshalber hat man es dann lieber zugemacht. Die Mall selbst war dann auch nicht gerade besonders sehenswert, geschweige denn wert, dafür nochmal so richtig nass zu werden. Die meisten Läden hier waren Luxusboutiquen bekannter Marken, die man auch überall sonst in Manhattan findet. Deshalb durften kurze Zeit später die grade leicht angetrockneten Hosen erneut nass werden. Diesmal aber dann für den Heimweg. Und nach so viel Nässe und Kälte war das kleine Hostelzimmer dann plötzlich doch richtig gemütlich.