New York City Teil 3: Hoch und weit hinaus

Neben den drei Wahrzeichen Central Park, Times Square und Freiheitsstatue, denen wir gestern allen einen Besuch abgestattet haben, ist man sich bei noch einer Sache ziemlich einig, wenn gefragt wird, was in New York gesehen oder gemacht werden müsse: Geh auf eine der Aussichtsplattformen! Bei der Menge an Wolkenkratzern, mit denen Manhattan praktisch zugepflastert ist, verwundert es kaum, dass einige von ihnen ihre Höhe zu einer Touristenattraktion gemacht haben und ordentlich Kohle damit machen, Besucher auf ihre Dachgeschosse zu lassen, damit diese sich die Skyline einmal von oben – oder zumindest aus annähernd ebenbürtiger Höhe angucken können. Die bekanntesten und gleichzeitig ältesten öffentlichen Aussichtsplattformen bieten wohl das Empire State Building und das Rockefeller Center. Höher war lange nur die Aussichtsplattform im Südturm des alten World Trade Centers. Heute gibt es einige weitere Plattformen wie Edge, The Summit und die des neuen World Trade Center, deren Höhe die der Klassiker deutlich in den Schatten stellen. Die Kosten (zwischen 40 und 50 Euro pro Person) sind überall ungefähr gleich (hoch), wir haben uns am Ende aber trotzdem gegen die ultimative Höhe und stattdessen für den allgemein empfohlenen besten Blick für Erstbesucher entschieden. Den soll es vom Top of the Rock, der Dachterrasse des Rockefeller Center geben, denn von dort guckt man auf den Central Park im Norden einerseits und andererseits auf die Skyline von Lower Manhattan, das Empire State Building inbegriffen.

Am Rockefeller Center ging es zunächst durch einen Seiteneingang ins Gebäude und nach einer kurzen Rucksackkontrolle in den Fahrstuhl, der einen ziemlich schnell ins 67. Stockwerk bringt. Eine Rolltreppe später ist man auf der Aussichtsplattform im 69. Stock. Wow! Der Himmel war zwar grau, aber die Aussicht ist wirklich sehr beeindruckend. Auch wenn die Wohntürme der Billionaire’s Row den Blick auf den Central Park mehr und mehr trüben bzw. blockieren. Für einen Blick ganz ohne Glasscheibe vor der Nase kann man noch eine weitere Rolltreppe zur 70. Etage nehmen. Ganz schön hoch. Und ziemlich krass, wenn man bedenkt, dass das One World Trade Center fast doppelt so hoch ist. Vielleicht würden wir uns das nächste Mal Manhattan von dort von oben anschauen, aber für unseren ersten Besuch geben wir die Empfehlung, aufs Rockefeller Center zu fahren, gerne weiter.

Das langersehnte Bagelfrühstück

Nachdem wir es irgendwann geschafft hatten, aus dem Rockefeller Center zurück auf die Straße zu gelangen (und unterwegs im Kellergeschoss noch einen coolen Buch- und Bastelladen entdeckt hatten), ging es an der Radio City Music Hall und dem Trump Tower vorbei. Beides haben wir uns nur von außen angesehen und war für uns eher ein „okay, gesehen“-Ding. Nicht nur sehen wollten wir hingegen endlich unseren ersten Bagel in New York. Denn wenn nicht hier, wo dann? Die Auswahl an guten Läden ist groß, einer von ihnen nennt sich Liberty Bagels. Wir waren vorher noch nie in einem klassischen Bagelladen und haben eigentlich sowas wie eine Bäckerei erwartet, stattdessen erinnerte das Ganze mit seinen endlos vielen Frischkäsesorten und anderen Belägen in der offenen Theke eher an einen Subway. Hier sucht man sich entweder einen vorkonfigurierten Bagel aus oder belegt ihn nach seinen Wünschen. Für uns gab es einen Bagel mit Gemüse-Frischkäse und einen mit Lachs. Man zahlt je nach Belag schon seine 5 bis 8 Dollar pro Bagel, die Dinger machen dafür aber auch irre satt und halten locker mehrere Stunden. Im Grunde hat man damit also ein vollwertiges Frühstück, der Bagel ist also ganz klar unser Spartipp für alle, die kein Hotel mit Verpflegung gebucht haben. So gestärkt bzw. fast schon ein bisschen überfressen (denn leider war der Bagel zu lecker, um vernünftigerweise etwas für später aufzubewahren) ging es weiter zu unserem nächsten Ziel.

Frieren auf Roosevelt Island

Zwischen Manhattan und Queens liegt im East River die lange schmale Insel Roosevelt Island. Die Insel beherbergte unter ihrem früheren Namen Blackwells Island erst das New York City Lunatic Asylum, also ein Irrenhaus, wenn man möglichst wörtlich übersetzen möchte, dann ein Pockenkrankenhaus. Für beides war die Insel gut geeignet, denn bis in die 1950er gab es keine Landverbindung zwischen Insel und Festland und weder Verrückte noch Pockenkranke konnten unbemerkt entkommen (und wenn doch, ertranken sie mit ziemlicher Sicherheit im Fluss). Später wurde die Insel nach dem 32. Präsidenten der USA benannt und ist heute eine verkehrsarme Wohngegend, denn bis heute gibt es mit der Roosevelt Island Bridge lediglich eine kleine Brücke nach Queens, nicht aber nach Manhattan. Wer dort hin will oder von dort kommt nimmt entweder die Metro oder die Roosevelt Island Tramway, die Seilbahn, die extra zur Verbindung mit Manhattan gebaut wurde, weil eine Metroanbindung lange Zeit nicht in Aussicht war. Heute ist die Seilbahn vor allem ein Touristengefährt und uns hat auch ein bisschen die Tatsache überzeugt, dass Fahrten mit der Seilbahn in unserer Metrokarte inbegriffen waren. Aber auch die Ruine des schon lange aufgegebenen Pockenkrankenhauses, die bis heute auf der Insel steht, hat uns letztendlich auf hierhin gelockt. Die Fahrt an sich war aber auch schon ein Highlight. Die Kabine war zwar ziemlich voll, wir hatten aber (weil wir uns irgendwie halb bewusst, halb unbewusst vorgedrängelt hatten und plötzlich als erste eingestiegen waren) Fensterplätze und damit freie Sicht auf die Überfahrt über den East River gehabt. Und auch sonst hatten wir schnell das Gefühl, dass der Ausflug sich gelohnt hatte, denn auch von Roosevelt Island hat man einen tollen Blick auf die Skyline von Manhattan – nur halt ohne oder jedenfalls mit deutlich weniger Touristen. Dafür machten sich die niedrigen Temperaturen hier umso mehr bemerkbar, denn durch die fehlenden Wolkenkratzer hatte der kalte Wind freie Bahn. Blieb man in Bewegung, ging es einigermaßen – ein Grund mehr den südlichen Teil der Insel einmal zu umrunden. Hier haben wir nicht nur eine kleine Pflegestation für Enten und Katzen (komische Mischung, aber hat anscheinend irgendwie funktioniert) entdeckt, sondern sind auch einmal an den Überresten des Pockenkrankenhauses vorbeigekommen. An der Südspitze wurde dem Inselnamensgeber noch ein „kleines“ Denkmal gesetzt, natürlich wieder ganz kreativ mit viel Stein, in dem viel Text steht. Zurück an der Seilbahnstation war trotz Bewegungswärme, aber auch gegen die dann doch wiedereinsetzende Müdigkeit, erstmal ein heißer Kaffee nötig. Wir waren nämlich auch heute noch lange nicht am Ende unseres Tagesplans.

Auf den Spuren des King of Queens

Da man auf Roosevelt Island eh schon fast in Queens ist – und die Metrostation auf der Insel mittlerweile dann doch existiert – lag ein Abstecher in den flächenmäßig größten Stadtbezirk New Yorks quasi auf der Hand. Wegen der Größe haben wir uns aber kein wirklich aussagekräftiges Bild von Queens machen können. Die ethnische Vielfalt und große Schere zwischen arm und reich des Bezirks haben wir aber dennoch mitbekommen. Im Stadtteil Forest Hills sah alles noch sehr gehoben aus, die Häuser waren schön und in jedem zweiten Haus waren Ärzte oder Anwälte ansässig. In Corona sah das ganze schon ganz anders aus und kurz hatte man das Gefühl, wir wären zurück in Mexiko. Wir waren am Ende aber eh nur hier gelandet, um uns ein paar aus King of Queens bekannte Gebäude bzw. Drehorte anzuschauen. Nach der Eisdiele aus dem Intro waren wir noch im Flushing-Meadows-Park, in dem die beeindruckend große Unisphere-Weltkugel im Zentrum und die eher gruseligen, halbverfallenen Observatory Towers der Weltausstellung von 1964 einen irgendwie interessanten Gegensatz liefern. Mit dann doch ziemlich schweren Beinen ging es von hier mit der Metro zurück nach Manhattan und dann direkt ins Hostel. Und wir dachten, wir wären in Washington viel gelaufen…