New York City Teil 2: Kreuz und quer durch Manhattan
Eine Hassliebe: Die New York Subway
Unsere erste Nacht in Manhattan war erstaunlich gut. Das lag zum einen daran, dass wir müde genug waren, aber auch an der schon erwähnten Stille in unserem Hostel. Mal abgesehen vom Bett. Und etwas gewöhnungsbedürftig war ein Stockbett für uns auch, aber durch das getrennte Schlafen auf zwei Ebenen haben wir nochmal 10 Euro pro Nacht gespart, dann muss man da halt mal durch. Wo man in New York auch durch muss, zumindest dann, wenn man nicht sehr viel zu Fuß laufen oder sehr viel Geld für Taxis ausgeben will, ist die Subway, also die Metro der Stadt. Das Metronetz durchzieht besonders Manhattan wie ein Spinnennetz und man kommt im Prinzip sehr schnell und einfach von A nach B. Dass die Subway aber schon seine 100 Jahre auf dem Buckel hat und weder genug Geld für eine Sanierung vorhanden scheint, noch ein passender Zeitpunkt für ein monate- bis jahrelanges Stilllegen des kompletten U-Bahn-Netzes der Stadt existiert, merkt man aber deutlich. Nicht nur an den oft ziemlich ekligen Haltestellen, die so wie sie sind in jedem Thriller- oder Horrorfilm als Kulisse dienen könnten (und es vermutlich auch oft tun), sondern auch am in vielerlei Hinsicht veralteten und undurchdachten System. Vor dem Einstieg muss man sich zunächst überlegen, ob man mit der Linie northbound (also Richtung Norden) oder southbound (also Richtung Süden) fahren will. Entscheidet man sich einmal falsch, kann man die Richtung nicht mehr wechseln, zumindest nicht, ohne die Station wieder komplett zu verlassen und damit ein Ticket weggeworfen zu haben (sofern man keinen Tagespass hat). Wer das raus hat, steht noch vor der Herausforderung, nicht ausversehen die nicht wirklich erkennbaren Expresszüge zu nehmen, die garantiert an der angepeilten Haltestelle vorbeifahren und einen mehrere Haltestellen weiter nördlich oder südlich stranden lassen. Die genuschelten und auch akustisch kaum zu verstehenden Ansagen der Fahrer (elektronische Ansagen und Stationsanzeiger existieren bis auf wenige Ausnahmen nicht), die jeder Flughafendurchsage ernste Konkurrenz machen, helfen da auch nicht weiter. Wir sind eine Woche lang jeden Tag mehrfach Metro gefahren und haben eigentlich immer irgendwelche Fehler gemacht oder neue Hindernisse aufgedeckt. Wer in Manhattan wohnt und seine Routen kennt, kommt sehr wahrscheinlich blind überall hin. Für alle anderen heißt es: sehr gut aufpassen, alles doppelt kontrollieren, Google Maps vertrauen und Fehler und daraus resultierende Zusatzfahrten akzeptieren.
Spaziergang durch den Central Park
Was wir auf jeden Fall sagen können: Metro fährt sich am besten, wenn man nicht umsteigen muss. Zum Central Park sind wir dafür zwar erst ein paar Minuten länger zur passenden Station gelaufen, kamen dafür aber immerhin nochmal im Madison Square Park und dem Hundespielplatz vorbei. Dann trennte uns noch eine Metrofahrt von der grünen Lunge der Stadt. Wir waren zum Glück schlau genug, unseren anfänglichen Plan von einer kompletten Tour von Nord bis Süd durch den Park zu verwerfen, denn allein dadurch hätten wir fünf Kilometer zurückgelegt. Und wir hatten viel vor in der Stadt. Stattdessen ging es mit der Metro zur 86th Street und somit zum südlichen Ufer des Jaqueline Kennedy Onassis Reservoir, dem großen See in der Mitte des Parks. Da bekamen wir schon mal einen ersten Eindruck von seiner Größe, allein der See hatte schon die Ausmaße eines deutschen Stadtparks. Dann ging es weiter nach Süden, über zahlreiche Grünflächen, auf denen Kinder spielten, Hunde tollten oder einfach nur entspannt wurde, vorbei an der Belvedere Castle, deren Faszination uns irgendwie verborgen blieb (also Europäer ist man vermutlich einfach deutlich beeindruckenderes gewohnt, wenn es um Burgen und Schlösser geht) bis zur Bethesda Terrace, von der aus man schon die ersten Super-Wolkenkratzer der Billionaire’s Row am Südende des Parks erkennen konnte. The Mall, die Allee südlich der Bethesda Terrace, hatte es uns mit ihren dichten grünen Bäumen besonders angetan. Spätestens an der berühmten Gapstow Bridge hatte man dann einen spektakulären Blick auf die Skyline, deren gigantische Wohntürme über den Park ragen. Der Blick aus dem Central Park auf diese Gebäude ist vermutlich einer der prägendsten Momente eines jeden New York Besuchers. Hat auch echt was Magisches.
Am Broadway entlang zum Times Square
Der nächste Punkt auf der New-York-Liste lag nach dem Central Park auf der Hand. Und vor uns. Denn am südwestlichen Ende des Parks beginnt der berühmte Broadway, die älteste Nord-Süd-Straße Manhattans und als ursprünglicher Indianerpfad die einzige Straße, die wirklich quer durch die Stadt verläuft und nicht ganz im Stil amerikanischer Planstädte Teil des gleichförmigen Straßenrasters ist. Das würde an sich nicht auffallen, allerdings entstehen durch das Zusammentreffen von schiefem Broadway und geraden restlichen Straßen an vielen Kreuzungen kleine dreieckige Flächen zwischen den Straßen, die heute oft Parks sind – wie der Madison Square Park unweit unseres Hostels. Auch ungeplante Eigenheiten einer Planstadt können also Vorteile haben. Von diesen Parks abgesehen ist der Broadway aber eigentlich eine ganz normale Straße und sieht nicht anders aus als seine geraden Nachbarn. Wir haben uns hier nach unserem Parkspaziergang ein Stück Pizza in einem 99-Cent-Pizzaladen gegönnt – ein Klassiker und eines unserer must eats in New York. Wir hatten die Befürchtung, dass die Stücke zwar (allein des Marketings wegen) weiterhin 99 Cent kosten, durch die allgemein gestiegenen Preise aber sehr klein sein würden. Es waren aber tatsächlich ganz normalgroße Stücke und echt lecker!
Eins der Dreiecke zwischen Broadway und Parallelstraßen, das nicht begrünt ist, ist heute als Times Square bekannt. Der bietet das Bild, das neben Central Park und Skyline vermutlich jedem sofort in den Kopf kommt, wenn er an New York denkt. Hier wirken die Gebäude um einen herum irgendwie nochmal größer und egal in welche Richtung man guckt, wird man in den Bann irgendeiner überdimensionierten LED-Werbetafel gezogen. „Übertrieben“ ist wohl der Begriff, der den Times Square am ehesten beschreibt. Aber das ist in New York ja so einiges. Auch der Central Park ist übertrieben groß, aber im positiven Sinne. Beim Times Square wäre vielleicht was die Werbetafeln angeht weniger mehr gewesen, aber dann wäre dieser Ort sicherlich nicht so ikonisch geworden. Nach einigen Drehungen um die eigene Achse hatten wir aber auch schnell genug vom Gewusel, das hier nochmal extremer ist als an anderen Stellen der Stadt. Zeit für die nächste Metrofahrt.
Gruß an die Freiheitsstatue
Es war erst früher Nachmittag, der Himmel war blau und unsere Körper ließen sich die schwindenden Energiereserven noch nicht anmerken. Außerdem sollte das Wetter in den nächsten Tagen eher schlechter werden, weshalb wir uns entschieden, noch einen weiteren Punkt der must-see-Liste abzuhaken. Nach Central Park und Times Square fehlte eigentlich nur noch die Freiheitsstatue um die wohl bekanntesten drei Sehenswürdigkeiten von New York City abgedeckt zu haben. Wenn man die wie wir lediglich mal möglichst gut sehen will, muss man zum Glück keine teure Tour nach Liberty Island buchen, sondern kann mit der Staten Island Ferry fahren. Das ist eine ganz reguläre Fähre von Lower Manhattan nach Staten Island und komplett kostenlos. Wenn man auf der richtigen Seite sitzt (oder, wie wir, auf der falschen, das rechtzeitig bemerkt und schnell noch wechselt), kann man die Freiheitsstatue ziemlich gut sehen und auch einige brauchbare Fotos schießen. Trotz des großen Andrangs beim Boarding war es auf der Fähre sogar verhältnismäßig leer. Im Grunde hatten wir aber den Eindruck, dass die Fähre ausschließlich von Touristen genutzt wird, um die Freiheitsstatue zu sehen. Keine Ahnung, warum sich die Stadt hier ein paar Dollar pro Person entgehen lässt. Zahlen würde man es trotzdem. So war es aber natürlich umso besser. Auf Staten Island sind wir einfach sofort wieder auf die nächste Fähre gestiegen und zurückgefahren. Auf der Rückfahrt nach Manhattan ist die Freiheitsstatue weiter weg, dafür bekommt man einen weiteren guten Blick auf die New Yorker Skyline. Am Ende haben wir so mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Freiheitsstatue gesehen, eine gute Stunde lang sitzen und ausruhen können und dafür nix gezahlt.
Chinatown und Little Italy
Mit den letzten Kraftreserven ging es vom Fährterminal nach Chinatown von Manhattan. Das liegt eh in Lower Manhattan und war damit quasi auf dem Weg zurück in Richtung Hostel. Außerdem war uns nach einem kleinen Snack, den wir in Form eines Sponge Cakes (ein sehr fluffiger Muffin) in Spongie’s Cafe bekamen. Günstig und lecker. Ansonsten war das New Yorker Chinatown keine wirkliche Attraktion in unseren Augen. Es war bei weitem nicht so fotogen wie das in San Francisco – am fotogensten war hier noch die Straße nach Little Italy, das direkt an Chinatown grenzt. Das haben wir uns aber aufgrund diverser Artikel über überteuerte Restaurants und Touristenfallen gespart. Das New Yorker Chinatown wirkte auf uns sehr viel authentischer, soweit wir das beurteilen können. Hier hatte man wirklich das Gefühl, in einer kleinen Version einer chinesischen Stadt zu sein. An den Läden waren nur chinesische Schriftzeichen zu sehen und auch das Personal war durchgehend chinesisch. Nicht-Chinesen haben hier sicherlich Verständnis- und Verständigungsprobleme. Inwieweit diese Abkapselung und der Aufbau einer Parallelgesellschaft mitten in New York ein harmonisches Zusammenleben garantiert, ist sehr fraglich. Aber vermutlich existiert Chinatown auch genau deshalb: weil ein Zusammenleben gar nicht gewünscht ist – in beidseitigem Einverständnis. Eigentlich schade, denn eine Vermischung der Kulturen (dass das geht, sieht man ja an der Tex-Mex-Küche oder dem hispanischen Einfluss in Südflorida) wäre vermutlich das bessere Modell gewesen. So aber haben wir uns selbst hier irgendwie fremd gefühlt, sodass es nach dem Kuchensnack schnell wieder mit der Metro (nachdem das Vorhaben, Bus zu fahren, dank des dichten Verkehrs gescheitert war) zurück ins Hostel ging. Und erst dort, als es um uns herum wieder ruhig war, wurde uns klar, wie laut New York eigentlich ist. Jetzt rauschten uns im wahrsten Sinne die Köpfe.