Mit dem Bus ins Grüne: Silvester in Monteverde
Unsere erste Busfahrt in Mittelamerika
Nach zwei Tagen in Alajuela sollte es heute zum eigentlichen ersten Stopp unserer Rundreise gehen. Monteverde ist eine Region im zentralen Hochland Costa Ricas und hier wollten wir ein paar entspannte Tage einschließlich Silvester verbringen. Dafür wollten – vielleicht auch mussten – wir auch etwas tiefer in die Tasche greifen als geplant, damit wir eine wirklich schöne Unterkunft finden, in der wir die Zeit auch richtig genießen können. Aber dazu später mehr, denn erstmal mussten wir irgendwie dort hinkommen. Costa Rica hat ein vergleichsweise sehr gutes Netzwerk öffentlicher Busse und das Unternehmen Transmonteverde verbindet praktischerweise San José mit – der Name verrät es vielleicht – Monteverde. Und die Tickets (6€ pro Person) konnte man sogar online kaufen. Praktisch und komfortabel! Da wussten wir noch nicht, dass es nicht immer so sein, wohl aber, dass es bei weitem nicht die einzige Busfahrt bleiben würde. Denn der Plan war, uns komplett mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch das Land zu bewegen. Die Bushaltestelle bei Alajuela war eine kurze Uberfahrt vom Airbnb entfernt und schon um 6:30 morgens gut besucht, vermutlich, weil zum Jahresende viele Einheimische Freunde oder Verwandte besuchen oder die Heimreise nach ihrem Weihnachtsaufenthalt antraten. Unser Bus schaffte es auch fast pünktlich zur Haltestelle, das Gepäck wurde im Bauch des Busses verstaut und los gings. Vier Stunden dauerte die Fahrt bis Monteverde, immer wieder stiegen Leute ein und aus, offizielle Haltestellen waren nirgends zu sehen (auch daran sollten wir uns noch gewöhnen). Eine kurze Frühstücks- und Pipipause an einer Raststätte war auch inbegriffen. Ziemlich komfortabel also für unsere erste Fahrt, was die Messlatte für die Zukunft (leider) etwas hochlegte. Besonders gegen Ende musste unser Fahrer durch ziemlich steile und enge Serpentinen manövrieren, an denen wir schon mit einem normalen Auto gescheitert wären. Gut, dass wir uns gegens Selbstfahren entschieden hatten, so hatten wir keine Angst, zu sterben (der Busfahrer schien die Strecke jedenfalls nicht zum ersten Mal zu fahren) und konnten gleichzeitig die immer schöner und grüner werdende Aussicht genießen.
Die Haltestelle in Monteverde lag am östlichen Ende von Santa Elena, der größten kleinen Stadt der Region. Blöd für uns, denn unsere Unterkunft lag genau am anderen Ende, westlich der Stadt. Nach einer kurzen Stärkung mit unserem ersten Gallo Pinto, neben dem Casado eines der beiden typischen costa-ricanischen Gerichte zu jeder Tageszeit, meistens bestehend aus Reis und Bohnen, Tortilla, Banane und was der Koch noch gerade so findet (in diesem Fall ein seltsamer, bröseliger Käse, der letztendlich liegen blieb). Hund gab es auch noch dazu, allerdings nicht auf dem Teller, sondern zu unseren Füßen. Anschließend ging es nach dem vergeblichen Versuch, ein Uber zu finden (und der Weigerung, in ein normales Taxi zu steigen, ohne die normalen Preise zu kennen), zu Fuß zu unserer Unterkunft. Über zwei Kilometer mit dem ganzen Gepäck waren nicht gerade angenehm, dazu kam noch, dass Santa Elena quasi nur aus bergauf und bergab besteht, sodass wir ein richtiges kleines Workout hinlegen mussten, bis wir irgendwann endlich bei den Cabanas La Pradera ankamen, in denen wir die nächsten drei Nächte hausen würden.
Jahreswechsel in der Blockhütte
Die Unterkunft bestand aus einzelnen Blockhütten für zwei bis acht Personen, jeweils mit eigener Küche. Sogar einen Pool gab es hier, für den es aber etwas zu frisch war. Besonders begeistert waren wir von unserer Hütte. Eine große, gut ausgestattete Küche, ein noch größeres Schlafzimmer mit Blick ins Grüne und eine eigene Terrasse, auf der man der Natur nochmal näher war. Für die Wahl konnten wir uns auf jeden Fall auf die eigenen Schultern klopfen, absoluter Volltreffer für ein paar Tage Entspannung! Egal, ob wir einfach nur auf dem Bett gelegen und Netflix geguckt (das Internet spielte die meiste Zeit über mit) oder auf der Terrasse gesessen haben, überall war es einfach nur schön. Kochen konnte man hier auch richtig gut. Zum Frühstück gab es sogar Aufbackbrötchen (dass es sowohl einen kleinen Ofen gab als auch der örtliche Supermarkt TK-Brötchen im Angebot hatte UND wir ein großes Tiefkühlfach zum Lagern hatten, kam in dieser Kombination leider nie wieder vor) und abends haben wir unsere ersten eigenen Tacos zubereitet. Lecker, auch wenn sich jeder Mexikaner vermutlich die Hände über dem Sombrero zusammengeschlagen hätte.
Silvester war für uns dementsprechend entspannt und vielleicht vergleichsweise langweilig und ereignislos, was wir aber auch genau so wollten. Es gab selbstgekochtes Chili (was eines unserer Standardgerichte der nächsten Wochen und Monate werden würde), Wein, natürlich Dinner for One und als es in Costa Rica 2023 wurde, lagen wir längst müde im Bett und sind erst 12 Stunden später wieder wach geworden. Ü30-Silvesterparty können wir.
Grün, grüner, Monteverde
Das Besondere Highlight der Unterkunft war neben den tollen Hütten selbst ihre Lage und Umgebung, denn rund um das Grundstück war es einfach nur grün und voller Pflanzen und Tiere. Eigens angelegte Spazierpfade führten vorbei an Bananen- und Kaffeeplantagen, hin und wieder sollen hier wohl auch Faultiere zu sehen sein. Gesehen haben wir leider keins, dafür ein Aguti, das man im ersten Moment auch für ein riesiges, fettes Meerschweinchen halten kann. Während in Santa Elena selbst viel los sein und man an jeder Ecke Hotels, Hostels und Restaurants finden kann, war es hier absolut ruhig und entspannt. Der Nachteil war natürlich, dass man, wenn man irgendetwas machen, sehen oder kaufen wollte (zumindest dann, wenn der kleine Supermarkt gegenüber der Unterkunft, der bei Google den etwas übertrieben guten Namen Mega Super Pulperia führt, nicht in Frage kam), irgendwie in die Stadt kommen musste. Wir weigerten uns, nochmal zu laufen, glücklicherweise waren Taxis gar nicht so teuer, sodass wir uns für wenige Euro innerhalb weniger Minuten ins Stadtzentrum konnten fahren lassen, wenn uns danach war. Und auch für Touren konnte praktischerweise eine Abholung mitgebucht werden, was uns für unseren Ausflug zum Cloud Forest sehr gelegen kam…