Maya-Kultur zum Abschluss: Flores und Tikal
Faulenzen im Airbnb
Nach den Strapazen der letzten Tage, vor allem bedingt durch die ewig langen und nicht gerade gemütlichen Shuttlefahrten, mussten wir uns dringend eine kleine Auszeit gönnen. Unser kleines Apartment in Flores lud glücklicherweise ganz gut dazu ein. Erstmal war es hier sehr ruhig. Wir kamen zwar um ein obligatorisches Hahnkrähen aus der Nachbarschaft nicht herum (auch wenn dieser Hahn irgendwie kaputt war und statt zum Sonnenaufgang jeden Abend gegen 23:40 loslegte), ansonsten hörten wir aber wirklich nichts. Vor allem keinen Straßenlärm, da unser Airbnb nicht nur an sich in einer ruhigen Gegend, sondern zusätzlich in einem Innenhof gelegen war. Die Klimaanlage hielt alles angenehm kühl und durch die eigene Küche waren wir eh mehr oder weniger autark. Zumindest, nachdem wir uns im (leider nicht ganz so gut ausgestatteten) Supermarkt mit dem Nötigsten eingedeckt hatten. Und da wir bis auf die unten erwähnten Dinge nichts auf unserer To-Do-Liste hatten, waren unsere fünf Nächte ansonsten sehr ereignisarm. Auch die Tatsache, dass unsere Unterkunft nicht auf der Insel Flores selbst, sondern im angrenzenden Stadtteil San Benito lag, in dem erstens nicht wirklich was los war (außer freilaufenden Schweinen in einer Parallelstraße) und uns zweitens unsere Gastgeberin sogar eher davon abriet, hier abends alleine rumzulaufen, ließ uns guten Gewissens viel Zeit im Zimmer verbringen. Akkus aufladen tat immer wieder gut – das lernten wir immer mehr und immer öfter zu schätzen.
Die Isla de Flores
Die Stadt Flores bestand ursprünglich mal nur aus einer kleinen Insel. Mittlerweile hat sich die Stadt aufs darunterliegende Festland ausgebreitet und hat nicht zuletzt aufgrund ihrer Nähe zur weltbekannten Maya-Stätte Tikal ziemlich an touristischer Infrastruktur (einschließlich eines Flughafens) gewonnen. Auch sonst wirkt die Stadt vergleichsweise modern, wer also McDonald’s und Burger King vermisst oder wie wir eine Pizza Hut-Pizza essen will, kommt in Flores auf seine Kosten. Die Isla de Flores ist heute immer noch eine kleine eigene Stadt, in der sich auch viele Hotels und Hostel befinden. Auch unser Shuttle hat uns auf der Insel rausgeschmissen, denn die meisten Mitfahrer waren hier untergebracht. Wir haben dafür zu kurzfristig gebucht und mussten daher ausweichen, deshalb sind wir hier nur mal zum Gucken hingefahren. Und das hat sich gelohnt. Mit seinem Kopfsteinpflaster und bunten Häusern wirkt die Isla de Flores fast wie ein kleines Antigua. Nur irgendwie sommerlicher, weil hier Palmen statt Tannen stehen und das Klima auch generell viel wärmer ist. Interessant zu sehen war auch, wie die Randbereiche der Inseln unterwasserstanden. Ob das der Normalfall ist oder der See nur gerade Hochwasser führte, wissen wir nicht. Aber schön ausgesehen hat es. Ansonsten ging aber auf der Insel nicht viel, sie wirkte auf uns sogar fast ausgestorben. Mehr los war auf der anderen Seite der Brücke, die die Isla de Flores mit dem Festland verbindet. Hier gibt es kleine Mall, in der wir einen sehr guten Supermarkt und eine Bäckerei mit übertrieben leckeren Zimtschnecken gefunden haben. Auch dafür lohnte sich der kleine Ausflug! Auch dort war aber ansonsten nicht viel los, zumindest schienen wir weit und breit die einzigen Touristen zu sein. Die waren vermutlich, wie früher oder später eigentlich jeder Floresbesucher, auf einem Ausflug nach Tikal. Der stand für uns natürlich auch noch auf dem Programm.
Die Maya-Ruinen von Tikal
Tikal ist eine antike Maya-Stadt etwa zwei Stunden nördlich von Flores. Mittlerweile wurde das gesamte Gebiet rund um die Stadt zum Nationalpark und die Ruinen selbst sogar zum Weltkulturerbe erklärt. Jeder Tourist, der nach Flores kommt, fährt früher oder späte auch nach Tikal. Wer dort viel Zeit verbringen will und/oder das nötige Kleingeld hat, bucht eine der wenigen Unterkünfte in Tikal selbst, die nicht nur an sich ganz cool sein sollen, sondern sich eben auch ziemlich nah an der Ruinenstadt befinden und eine längere Anreise so ausfällt. Für uns (und die meisten anderen) hieß es aber, irgendwie einen Weg aus Flores nach Tikal zu finden. Chicken Busse haben wir ja eh kategorisch ausgeschlossen (und wir wissen auch gar nicht, ob die nach Tikal fahren, gesehen haben wir jedenfalls keinen), also griffen wir wieder auf unsere neue Hassliebe zurück: ein Shuttle! Praktisch sind sie halt, da kann man nichts sagen. Und günstig war es auch. Außerdem sollte eine zweistündige Fahrt nach zwei zwölfstündigen Torturen ja wohl kein Problem sein. War sie auch nicht, wenn man mal die Tatsache außer Acht lässt, dass unsere Tour um 6 Uhr morgens startete. Manche Verrückte brechen sogar schon um 3 Uhr nachts für eine Sonnenaufgangstour nach Tikal auf. Bestimmt schön aber…nein danke. Und wäre 6 Uhr nicht schon früh genug gewesen, schaffte unser Shuttle sogar ein Novum: Es war zu früh. Zu früh! In Mittelamerika! Hätten wir nicht panisch unseren Kaffee runterkippen und eiligst unsere Zähne putzen müssen, hätten wir die Sensation gerne noch sämtlichen Medien mitgeteilt. Stattdessen ging es aber sehr früh, sehr dunkel und sehr müde nach Tikal.
In Tikal angekommen wurde unserer Gruppe ein englischsprachiger Guide gestellt, der mit uns durch die Anlage ging und viel zu der Stadt und den einzelnen Ruinen zu erzählen hatte. Sobald man die letzte Müdigkeit abgeschüttelt hatte, war man auch ganz froh, so früh morgens hier zu sein. Es war noch angenehm kühl und vor allem leer. Wir waren nämlich an einem Sonntag da, an dem alle Guatemalteken freien Eintritt haben. Spätestens nachmittags werden solche Sehenswürdigkeiten dann schnell zu riesigen Picknickwiesen wie in jedem deutschen Stadtwald, sobald sich auch nur ein Sonnenstrahl zeigt. So aber hatten wir die Anlage mit ihren zahlreichen Tempeln fast für uns alleine. Es hat viel Spaß gemacht, die Tempel zu besteigen und über eine endlos weite Dschungellandschaft zu blicken. Viele Tempel liegen bis heute teilweise im Dschungel versteckt, sodass man oft den Eindruck hatte, die Tempel wären eben gerade von uns wiederentdeckt worden. Wäre man nicht irgendwann doch wieder in eine gewisse Müdigkeit verfallen, hätten einen die Beine noch länger getragen und wäre es nicht doch irgendwann heiß und schwül geworden, hätte man sicher noch den ganzen Tag durch Tikal laufen, neue Tempel entdecken und Ruinen erklimmen können. So waren wir doch froh, als unsere Tour nach drei Stunden endete und es wieder zurück nach Flores ging. Was die klassischen Sehenswürdigkeiten angeht war Tikal ohne Frage eines der Highlights unserer Zeit in Mittelamerika. Und somit ein gelungener Abschluss für unsere Reise durch Guatemala.