Insel voller Gegensätze: Das eigentliche Phu Quoc

Phu Quocs wichtigster Wirtschaftszweig war früher die Fischerei, bevor der Tourismus hier eingeschlagen ist. Mittlerweile gibt es nur noch wenige richtige Orte, man hat das Gefühl, dass die ursprünglichen Bewohner immer mehr verdrängt werden, damit in den Küstenregionen Platz für die Touristen ist. Und auch wenn wir es in unserer Hotelstadt trotz aller Merkwürdigkeit ganz schön fanden (für ein paar Tage Erholung allemal), wollten wir die Zeit auch nutzen, das richtige Phu Quoc kennenzulernen. Los ging es im Hauptort der Insel, Duong Dong. Der liegt etwas nördlich des Flughafens, bis vor ein paar Jahren war hier sogar der Flughafen, bis er stillgelegt und durch den größeren, internationalen Flughafen ersetzt wurde. In und um Duong Dong liegen trotz aller „Ursprünglichkeit“ und Normalität auch zahlreiche Hotels, aber eher einzelne, nicht ganze Städte. Ist also nicht so, dass man hier als Tourist völlig verloren wäre und schief angeguckt wird. Auch hier ist mittlerweile viel auf die Urlauber ausgelegt und man findet überall Restaurants und Cafés. Unser erster Stopp war das Khánh Ly Vegetarian Restaurant für einen Mittags-Snack. Und auch wenn man es erwarten könnte, dieser Laden war alles andere als auf Touristen ausgelegt, denn verstehen konnte uns hier niemand. Man konnte sich theoretisch an einer Art Buffet seinen Teller zusammenstellen, da wir aber nicht wussten, was was ist, haben wir einfach ein festgelegtes Gericht genommen: eine sehr leckere Pho. So gestärkt spazierten wir dann durch das Zentrum von Duong Dong. Am Fluss dominierten vor allem Fischrestaurants, in denen man sich die noch lebenden Fische und Schalentiere aus viel zu engen Aquarien selbst aussuchen konnte (arme Fischies). In den kleineren Seitenstraßen gab es aber auch viele normale Läden, die Nudeln, Reis und Gewürze anboten. Los war hier zu dieser Zeit gar nichts – wir waren mal wieder die einzigen, die es für eine gute Idee hielten, in der Mittagssonne rumzulaufen. Unser Highlight in Duong Dong fanden wir am Hafen zwischen Fluss und Ozean. Hier ragt der kleine bunte Dinh Cau Tempel zu Ehren der Meeresgöttin auf einem Felsen aufs offene Meer hinaus. Abschließend gab es noch einen Egg Coffee (der aber bei weitem nicht so gut war wie der im Little Hanoi in Ho Chi Minh Stadt), bevor es wieder zurück zum Hotel ging.

Radtour nach An Thoi

Als zweiten kleinen Ausflug besuchten wir An Thoi, eine kleine Hafenstadt am südlichen Zipfel von Phu Quoc. Wir haben uns zwei Fahrräder vom Hotel geliehen, da der Ort lag quasi vor der Haustür lag und ein bisschen Sportlichkeit uns auch nicht schaden konnte. An Thoi ist an sich ebenfalls wenig (bzw. weniger) touristisch, von hier aus starten aber zahlreiche Bootstouren zu den kleineren Inseln südlich der Hauptinsel. Wir hatten ursprünglich auch überlegt, eine dieser Touren zu buchen, aber viele Berichte darüber, wie überfüllt die „einsamen Inseln“, wie die Ziele der Touren immer noch beworben werden, mittlerweile sind, haben uns abgeschreckt. Ansonsten kennt man An Thoi noch als Startpunkt für die längste Seilbahn der Welt, die Phu Quoc mit der kleinen Insel Hon Thom verbindet. Und wir kennen An Thoi außerdem noch als Ort, aus dem unsere leckere Pizza vom ersten Abend kam. Das wars aber dann auch wirklich. Richtig sehenswert war der Ort nicht und der Ausflug war auch eigentlich nur Mittel zum Zweck: wir wollten unsere Postkarten zur örtlichen Postfiliale bringen. Von Erfolg gekrönt war der Ausflug aber leider nicht. Das erste Postamt, das Google uns anzeigte, existierte gar nicht und das zweite hatte zwar immerhin geöffnet, hatte aber keine Briefmarken mehr. Und auch das Radfahren generell war hier weniger unterhaltsam als wir dachten. Im Gegensatz zur großen leeren Straße, die zum Flughafen führt, war hier in An Thoi nämlich richtig was los. Regelmäßig mussten wir anderen Fahrrädern, vor allem aber Rollern ausweichen, die uns stumpf aus falscher Richtung entgegen kamen. Und hügelig war es auch noch. Naja, immerhin konnten wir uns so unser reichhaltiges italienisches Essen der letzten Abende abtrainieren – oder uns das zumindest einreden.

Phu Quoc: Unser Fazit

Das Wichtigste zuerst: Wir haben unseren Abstecher nach Phu Quoc nicht bereut. Erstmal war unser Strand wirklich wunderschön und immer dann, wenn das Wetter mitspielte, haben wir es uns dort sehr gutgehen lassen. Auch im Hotelzimmer, besonders im zweiten, haben wir einige Stunden pro Tag entspannt, konnten also mal richtig runterkommen, bevor wir uns in Kambodscha in die nächste Großstadt stürzen würden. Übrig bleiben natürlich einige offene Fragen, die nur die Zukunft beantworten kann. Wie sieht es auf Phu Quoc wohl in fünf Jahren aus? Und wie in zehn oder 20? Aus Neugier müsste man also irgendwann nochmal nach Phu Quoc, um sich diese Fragen beantworten zu können – und wenn sich die Insel so weiterentwickelt wie geplant, sind bis dahin vermutlich Direktflüge aus Deutschland möglich. Für den Urlaub an sich würden wir nicht zurückkommen, dafür haben wir auf unserer Reise schönere Inseln kennengelernt (auch wenn an den Khem Beach wirklich nicht viel ran kommt). Aber so nachdenklich uns die Insel auch zurücklässt, es war eine sehr spannende Erfahrung, sie in diesem Zustand des kompletten Wandels kennenzulernen und beide Seiten, große Hotelkomplexe und normale Städte, zu sehen. Wer weiß, an wie vielen Orten wir schon Urlaub gemacht haben, die einen solchen Wandel auch schon vollzogen hatten, ohne dass wir es wussten. Orte wie Phu Quoc helfen dabei, eine Reise neu und anders zu reflektieren und sich als Tourist auch ein wenig zu hinterfragen. Aber für uns persönlich steht fest: Diese Art von Urlaub, wie sie auf Phu Quoc angeboten wird, ist für ein paar Tage ganz schön, aber insgesamt nicht unsere.