Direkt nebenan und doch ganz anders: Auf nach Kambodscha
Jede Menge Terminals
Und dann waren unsere zwei Wochen in Vietnam auch schon vorbei. Einerseits sind zwei Wochen eine echt kurze Zeit, in der wir sehr wenig vom Land sehen konnten, andererseits sind zwei Wochen normalerweise ein handelsüblicher Urlaub. Wir waren es mittlerweile gar nicht mehr gewohnt, nur so kurz irgendwo zu sein. Trotzdem freuten wir uns sehr auf das, was vor uns lag. Von Kambodscha hatten wir nicht viel Ahnung, keine großen Vorstellungen oder Erwartungen und bis auf Angkor auch nicht wirklich viele Pläne. Wir konnten zu diesem Zeitpunkt also noch nicht ahnen, wie schön wir dieses Land finden würden. Zunächst stand aber wieder einmal eine Anreise an, glücklicherweise deutlich kürzer als die letzte von Sydney nach Ho Chi Minh Stadt. Wie auch schon für die Anreise nach Phu Quoc hatten wir auch für die Ab- bzw. Weiterreise ursprünglich geplant, uns mit Booten und Bussen fortzubewegen. Aber auch hier haben eine gewisse Bequemlichkeit und Faulheit (aber auch die Tatsache, dass es anders viel teurer und langwieriger geworden wäre) dazu geführt, dass wir uns letztendlich wieder fürs Fliegen entschieden haben. Von Phu Quoc ging es zunächst zurück nach Ho Chi Minh Stadt. Hier mussten wir das Domestic Terminal verlassen und ein paar Minuten zu Fuß zum International Terminal laufen, was kurz zu der Frage geführt hatte, ob wir fälschlicherweise das Flughafengelände verlassen hatten. War aber anscheinend alles richtig so, sodass wir kurze Zeit später am nächsten Gate waren und ein letztes Mal vietnamesisches Essen genießen konnten: Burger mit Pommes. Der Flug von Ho Chi Minh Stadt nach Phnom Penh war kurz und unspektakulär, das Spannendste war, dass Phnom Penh nur ein Zwischenstopp des Flugs war und einige Gäste im Flugzeug sitzen blieben, um zu ihrem endgültigen Ziel (Vientiane, die Hauptstadt von Laos) zu kommen. Gibt es wohl öfter, wussten wir aber nicht – und hoffen deshalb umso mehr, dass sie unsere Rucksäcke auch rechtzeitig aus dem Frachtraum holten, bevor der Flieger wieder abhob). Aber auch das klappte, sodass unsere Flugreise am dritten Terminal des heutigen Tages erfolgreich und mit vollständigem Gepäck enden konnte.
Positiver erster Eindruck und Ernüchterung im Hotel
Die Einreise nach Kambodscha verlief sehr simpel. Zunächst kauft man ein „visa on arrival“ für 35$ (während hinter den Beamten ein großes Schild einen Preis von 30$ verkündet – altes Schild oder inoffizielle „Verwaltungsgebühr“, wer weiß), das als passgroßer Zettel mehr oder weniger ordentlich auf eine freie Seite des Reisepasses getackert wird (auch Sachbeschädigung genannt). Damit geht man dann zum Einreiseschalter und bekommt auf die nächste freie Seite noch einen Stempel (vielleicht auf eine dritte Seite noch ein Autogramm oder Selbstportrait des Beamten? Nächstes Mal holen wir uns direkt einen zweiten Reisepass nur für Kambodscha). Vor dem Flughafen kauften wir dann noch in für Asien üblicher Geschwindigkeit eine Simkarte (100GB für einen Monat, 12$, wird auch immer günstiger) und holten wie üblich unser erstes Bargeld am Automaten. Der kambodschanische Riel genießt im Land nicht wirklich das höchste Vertrauen, deshalb kann man überall mit US-Dollar zahlen und viele Geldautomaten spucken auch nur Dollarnoten aus. Erwartungsgemäß guckte uns also auf den Geldscheinen kein kambodschanischer Politiker, sondern US-Präsidenten an. Leider war das zweimal Benjamin Franklin, der Mann der 100-Dollar-Note. Sehr unpraktisch, denn so große Scheine kann in Kambodscha kaum jemand wechseln. Gut, dass man eh das meiste mit Karte zahlt…zum Beispiel unser Grab-Taxi, das uns zum ersten Hotel fuhr.
Was uns auf dieser Fahrt vor allem auffiel: Es ist viel leiser in Vietnam (trotz gleich voller Straßen) und viel moderner, als wir erwartet hatten. Irgendwie hatten wir uns auf ein im Vergleich zu Vietnam etwas unmoderneres Land eingestellt, stattdessen leuchteten uns von überall her große Werbetafeln bekannter Unternehmen an. Wir hatten hier eher den Eindruck, in einer westlichen Großstadt zu sein als in Südostasien. Und diese Ruhe! Kaum Gehupe oder Geschreie – dass die Mentalität hier so gegensätzlich ist, obwohl Vietnam direkt nebenan ist, würde uns noch öfter wundern (und vor allem aber positiv auffallen). Der gute erste Eindruck wurde leider von unserer Ankunft im Hotel zunichte gemacht. Auf Bildern sehr schön, stellte sich das Suite Home Boutique Hotel leider als Reinfall heraus. Zumindest für uns. Gebucht war ein Deluxe Zimmer mit Balkon, bekommen haben wir ein Twin Zimmer ohne Fenster. Hurra. Die Dame an der Rezeption verwies uns an die Managerin, die aber erst am nächsten Morgen da sein würde und nach kurzer Überlegung, gleich wieder das Weite zu suchen, entschieden wir uns dagegen und dazu, es erstmal hiermit zu probieren. Einen Wassereinkauf, einen Burgerimbiss und einer Runde Fußball-WM mit Bildqualität von 1985 später lagen wir dann in unseren getrennten Betten. Unseren ersten Abend in Kambodscha hatten wir uns irgendwie anders vorgestellt. Aber so konnte es wenigstens nur besser werden – und würde es auch.