Heiße Quellen und tausend Vulkanfotos: Sechs Tage in La Fortuna

In La Fortuna ist es mal wieder ein Airbnb geworden, etwas außerhalb der Innenstadt, dafür ruhig, geräumig und verhältnismäßig günstig. Die Wohnung war nicht super chic, wir hatten aber eine gut ausgestattete Küche (endlich wieder Reiscurry!) und ein bequemes Bett. Ein zweites Schlafzimmer hatten wir auch, was dann aber eher als Abstellkammer und Rucksacklager genutzt wurde. Der Supermarkt war auch direkt vor der Tür und in die Stadt liefen wir nur etwa 15 Minuten, alles perfekt also für ein paar entspannte Tage. Zwar hatten wir wieder mal einen Stromausfall, wodurch wir einen Morgen ohne Kaffee überstehen mussten, diesmal wurde aber immerhin nicht die Klimaanlage in Mitleidenschaft gezogen. Von draußen hatte man als kleines i-Tüpfchelchen sogar einen Blick auf den Sonnenuntergang hinter dem Vulkan. Dass wir die lauten Trucks trotz mehrerer 100 Meter Entfernung trotzdem noch hören, teilweise sogar fühlen konnten – darum kam man in Costa Rica nicht herum. Aber daran waren wir ja mittlerweile gewöhnt – und auch schon deutlich schlimmeres gewohnt.

Spaziergang durch die Stadt

La Fortuna ist eine hübsche kleine Stadt. Die Hauptstraße, die einmal durch den Ort führt, teilt La Fortuna in einen südlichen, von Supermärkten, Hotels, Souvenirshops und Touranbietern dominierten Touri-Teil und in den nördlichen, eher normalen Teil mit seiner Kirche, dem Dorfplatz und dem Postamt (bei dem wir aufgrund der riesigen Warteschlange den Plan, hier unsere Postkarten zu verschicken, schnell verworfen haben). Der Süden ist daher logischerweise viel voller und lauter als der Norden, trotzdem hat es uns hier irgendwie gefallen und ein wenig an Santa Elena in Monteverde erinnert, das sich auch trotz großer Touristenströme seinen eigenen Charakter bewahrt hatte. Statt um Nebelwälder dreht sich in La Fortuna alles um El Arenal, den großen grünen Vulkan, an dessen Fuß La Fortuna liegt. Die meiste Zeit war der allerdings nur zur Hälfte zu sehen, während die Spitze oft in den Wolken versteckt blieb. Wer in La Fortuna nicht gerade wie wir die Stadt selbst erkundet, klettert auf den Vulkan, fährt zum Arenalsee oder besucht eine der zahlreichen heißen Quellen, die es um La Fortuna gibt. Letzteres war auch unser Plan, allerdings in der Low-Budget-Variante.

La Fortuna und seine heißen Quellen

Durch die immer noch heiße Lava sind um La Fortuna herum viele natürliche Thermalquellen entstanden, die als „Hot Springs“ entweder als Teil eines Hotels oder als alleinstehende Attraktion beworben und vermarktet werden. Der Spaß ist in solchen Fällen aber gar nicht mal so billig. Gerade Hotels, die neben ihren eigenen Hot Springs oft auch Zimmer mit Vulkanblick versprechen, kosten locker mindestens 100 Euro pro Nacht. Und auch, wenn man nur eine der Hot Springs nutzen will, ist man nur ab 20 Euro aufwärts dabei. Das Geld wollten wir uns gerne sparen. Dann bleibt einem als Alternative noch ein kleiner Fluss, den man als „free hot springs“ bei Google findet und besonders bei Einheimischen, mittlerweile aber auch bei vielen Touristen beliebt ist. Hier verzichtet man auf Annehmlichkeiten wie Liegen, Duschen, Toiletten, Umkleiden und Schließfächer – aber eben auch auf Eintritt. Der Zutritt zum Fluss ist eine halbe Stunde Taxifahrt vom Stadtzentrum entfernt und von der Straße aus über einen kurzen Trampelpfad erreichbar. Bei unserem Besuch war einiges los, aber wenn man weit genug am Fluss entlang geht, findet man immer irgendwann ein freies Plätzchen im Wasser. Und das ist wirklich angenehm warm. Hier kann man auch ohne Luxus einige Zeit entspannen. Im Nachhinein waren wir froh, bis auf die Anfahrt kein Geld dafür ausgegeben zu haben. Denn so viel besser wäre es in einer bezahlten Thermalquelle wohl auch nicht gewesen. Auch wenn die Rückfahrt nicht gerade einfach war – Uber hatte mal wieder keine Lust, uns einen Fahrer zu schicken – würden wir die Free Hot Springs jederzeit wieder besuchen.

Freie Sicht auf El Arenal

Das Wetter war während unserer Zeit in La Fortuna oft so geht so. Viel grau, viel Regen. Im Grunde hat uns das nicht gestört, denn wir waren oft einfach nur in unserer Wohnung und während unseres Hot Spring-Ausflugs blieb der Himmel glücklicherweise blau. Trotzdem waren wir froh, als der Himmel an einem Tag mal sehr aufgelockert war: Endlich war der Vulkan in seiner ganzen Pracht zu sehen. So nah waren wir noch nie an einem Vulkan (den auf Bali ignorieren wir hier mal), vor allem nicht an einem so grünen. Das hatte dann gefühlt eine Million Fotos zur Folge – man ist ja schließlich nur einmal hier. Mit dem vollständigen Blick auf El Arenal war damit zwei Tage vor Abreise aus Costa Rica auch der letzte Punkt der Bucketlist abgearbeitet. Zeit zu packen. Zeit für das nächste Land.