Fast schon Pflicht in Battambang: Die Fahrt mit dem Bamboo-Train
Mit 30 Sachen Richtung Phnom Penh
So schön und authentisch kambodschanisch unser Ausflug nach Battambang auch sein mochte, wirklich abseits der üblichen Touristenpfade waren wir mit diesem Ziel bei weitem nicht. Die Stadt ist längst ein beliebter Stopp für Rundreisende, nicht zuletzt wegen einer besonderen Zugfahrt, die in den letzten Jahrzehnten zur Touristenattraktion aufgebauscht wurde und mittlerweile in jedem Reiseführer erwähnt und empfohlen wird. Battambang ist an das alte Schienennetz Kambodschas angeschlossen, das inzwischen langsam aber stetig wieder reaktiviert wird und sowohl Güter als auch Personen zwischen größeren Städten transportiert. Das Stück zwischen Battambang und Phnom Penh wurde lange Zeit nur für den kleineren Transport von Waren genutzt – allerdings nicht mit großen, zu teuren Zügen, sondern mit kleinen selbstgezimmerten Bambusplattformen, auf die ein Motor gesetzt wird. Fertig ist der „Bamboo Train“, wie er für die Touristen genannt wird und heute vermutlich mehr Touris als Waren transportiert. Und auch für uns stand der Bamboo Train auf dem Plan, denn für den kommt man meistens überhaupt erst nach Battambang. Über unser Guesthouse haben wir der Einfachheit halber direkt eine ganze Tour gebucht, bei der die Fahrt mit dem Bamboo Train inbegriffen war.
Unser Tourguide war der Tuktukfahrer, der uns schon an unserem Ankunftstag abgeholt hatte und mit ihm ging es nun erstmal ca. 40 Minuten aus Battambang heraus. Es gibt anscheinend mittlerweile mehrere Start- und Endpunkte für verschiedene Bamboo Trains, wir sind wohl zu dem offiziellen und ursprünglichen Ort gefahren, der zwar eine etwas längere Anreise erfordert, dafür aber eine längere Fahrt mit dem Bamboo Train verspricht. Die Station war ein einfacher Bahnübergang, auf denen schon die ein oder andere Bambusplattform bereitstand. Dann wurde kurz eine Sitzmatte aufgelegt, der Motor aufgesetzt und schon ging es los. Wir hatten vorher gelesen, dass die Schienen vor einiger Zeit erneuert wurden und die Fahrt nun deutlich angenehmer ist – trotzdem ruckelte und rappelte es noch ordentlich. Früher muss das absolut schrecklich für Hintern und Rücken gewesen sein. So genossen wir eine entspannte Fahrt durch die grüne Landschaft Kambodschas. Gut 30 km/h hatten wir zwischenzeitlich drauf und konnten uns dabei nur an einem kleinen, wackeligen Holzgriff festhalten. Auf jeden Fall ein Erlebnis. Hin und wieder kamen wir an Kühen vorbei, einmal mussten wir bremsen, weil uns ein anderer Bamboo Train entgegenkam. Da die Strecke einspurig war, hieß das für eine Partei: aufstehen, Zug abbauen, die anderen passieren lassen und wieder aufbauen. Wir konnten entspannt sitzen bleiben. Nach 20 Minuten machten wir irgendwo im Nirgendwo Halt. Allerdings hatten in diesem Nirgendwo einige findige Locals ein paar Verkaufsbuden aufgebaut, in denen man kalte Getränke und sogar Bamboo Train T-Shirts kaufen konnte. Leider hätte die Pause deutlich entspannter sein können, wenn man uns unsere Cola in Ruhe hätte trinken lassen, anstatt uns unentwegt Armbänder und Klamotten anzudrehen. Wir blieben allerdings hartnäckig, bis es mit ähnlich hoher Geschwindigkeit wieder zurück zum Ausgangspunkt ging. 5$ pro Person kostete uns die Fahrt übrigens, das Geld war die Fahrt aber auf jeden Fall wert!
Quer durch den Reiskorb von Kambodscha
Die Fahrt mit dem Bamboo Train war wirklich cool, die Tour war allerdings noch lange nicht vorbei. Unser Fahrer fuhr mit uns einmal quer durch die Vororte Battambangs und stellte sich als äußerst kompetenter Tourguide heraus, der uns viel über die Gewohnheiten der Einwohner, die hier überall wachsenden Früchte und die vielseitigen Methoden der örtlichen Landwirtschaft erklärte. Wir fuhren durch viele kleine Dörfer, lernten, wie man aus etwas Reis und Erde Pilze kultiviert, deren Myzel danach wiederum als Dünger auf den Feldern genutzt wird und bekamen das ein oder andere Obst auch noch zum Probieren geschenkt. Auch ein kurzer Besuch in einer Reisnudelfabrik stand noch auf dem Programm, in der noch von Hand Nudeln aus einem Reis-Wasser-Teig gepresst werden. Unser Guide erklärte uns, dass die Dörfer um Battambang die ganze Stadt ernähren und sogar Küchenchefs der Restaurants hier auf dem Land alles einkauften. Quasi direkt beim Erzeuger. Das, was man bei uns immer stolz auf die Verpackungen schreibt und besonders hervorheben will, ist hier noch ganz normal.
Beeindruckendes Naturschauspiel vor den Batcaves
Der Tourabschluss fand bei einem anderen Battambang-Klassiker statt. Westlich der Stadt befinden sich die Batcaves von Battambang, ein Höhlensystem, das Millionen von Fledermäusen beheimatet, die jeden Abend zusammen losziehen, um ihr Abendessen zu fangen. Auch daraus hat man mittlerweile ein beliebtes Touristenziel gemacht, bei unserer Ankunft hatten es sich schon zahlreiche Schaulustige vor den Höhlen bequem gemacht und sich mit Getränken und Snacks versorgt. Wir fanden auch noch ein freies Plätzchen, holten uns ein köstliches Bier und warteten gespannt auf das Schauspiel. Je tiefer sich die Sonne senkte, desto lauter hörte man die Fledermäuse in der Höhle. Gegen 17:40 war es dann so weit, wie eine schwarze Rauchwolke schossen die Tiere aus der Höhle und verschwanden in die Nacht. Selbst 20 Minuten später wollte der Strom an Fledermäusen nicht abbrechen. Unser Guide konnte uns leider nicht sagen, von wie vielen Tieren man hier ausgeht, er wusste nur, dass sie morgens um 4 Uhr alle wieder zurückkämen. So lange wollten wir dann aber dann doch nicht warten und um einer Nackensperre vom vielen Nach-oben-gucken zuvorzukommen entschieden wir uns für den Rückweg. Als wir wieder im Guesthouse ankamen war es längst dunkel geworden und obwohl die Tour nur ein paar Stunden ging, waren wir ziemlich müde. Aber auch sehr glücklich und zufrieden, denn die Tour war ihr Geld auf jeden Fall wert! Battambang hat uns an sich schon gut gefallen, durch die Tour zu ihren Sehenswürdigkeiten außerhalb der Stadt hat sich für uns der Stopp aber direkt doppelt gelohnt.