Ein unvermeidbarer Umweg: Wieder Phnom Penh und Sihanoukville

Unsere vier Nächte in Battambang waren gezählt, unser nächstes (langfristiges) Ziel war Koh Rong Sanloem, eine von vielen dem kambodschanischen Festland vorgelagerten Inseln, die vor allem Erholung versprechen. Allerdings standen wir wieder vor dem Problem des Transports: Denn aus Battambang heraus zu kommen war nicht weniger schwierig als hinzugelangen. Direkt Richtung Insel zu fahren war aussichtslos, deshalb sollte es erstmal wieder in die Hauptstadt und von dort aus weiter gehen. Und wieder einmal war die Suche nach einem Busunternehmen nicht ganz einfach und am Ende blieb uns nichts weiteres übrig als mit Virak Buntham nach Phnom Penh zu fahren. Von dem Unternehmen hatten wir zwar schon gehört, weil es eines der größten Kambodschas ist, allerdings kaum Gutes. Eigentlich sind die Bewertungen durchgehend schlecht, aber der Mangel an Alternativen trieb uns leider in deren Hände (vermutlich ist das der Grund, warum die überhaupt Kundschaft haben). Wir hatten naiverweise gehofft, dass die Bewertungen bestimmt unnötig abschreckend sind, im Nachhinein müssen wir sie leider unterschreiben. Zwar hat Virak Buntham ein richtiges Büro mit Wartehalle in Battambang, das war aber auch schon alles, was irgendwie an bequemes Reisen erinnern könnte. Gebucht war ein Kleinbus mit 16 Sitzen, Sitzplätze konnte man online auswählen. Bekommen haben wir einen Siebensitzer mit den letzten freien Plätzen in der hinteren Reihe. Von den übrigen, auf der Homepage versprochenen Annehmlichkeiten (WLAN, Wasser), haben wir auch nie etwas gesehen. Zu allem Überfluss gerieten wir noch in den Feierabendverkehr, dessen Stau unser Fahrer nutzte, um uns mit seiner Handymusik zu beglücken (Spotify-Playlist „Die beschissensten Hits des Jahres“). Die achtstündige Fahrt nach Phnom Penh hatten wir uns definitiv angenehmer vorgestellt. Unsere Beschwerden verliefen sowohl direkt am Ticketschalter in Phnom Penh als auch nachträglich per Mail im Sande und unterstreichen den guten Ruf des Unternehmens. Immerhin sind wir angekommen. Virak Buntham? Nie wieder.

Unerwartet gut: das Onederz Hostel Phnom Penh

Unser zweiter Aufenthalt in Phnom Penh sollte nur ein kurzer werden, denn am nächsten Morgen stand schon die nächste Busfahrt an, die uns weiter in Richtung Inselauszeit bringen sollte. Deshalb haben wir uns eine zweckmäßige Unterkunft in der Nähe der Bushaltestellen gesucht und keine großen Erwartungen gehabt. Das Onederz Hostel stellte sich aber als absoluter Glücksgriff heraus. Das Hostel, das eigentlich eher ein Hotel war, lag direkt an der Flusspromenade, zu der wir schon während unseres ersten Aufenthalts spaziert waren. Es hatte ein Restaurant in der Lobby, einen Dachpool (den wir leider aus Zeitgründen nicht genutzt hatten) und aus unserem Zimmer hatten wir sogar einen tollen Blick über den Fluss, ohne, dass der beworben war oder Aufpreis gekostet hatte. Sehr cool! Bis auf einen kurzen Ausflug auf die andere Straßenseite für ein Abendessen ging an dem Abend aber sonst nichts mehr, die Fahrt steckte uns auch ziemlich in den Knochen. Umso besser haben wir geschlafen, bis uns der Wecker leider um 7 Uhr wieder hochschrecken ließ…

Sihanoukville, der Schandfleck Kambodschas

Nächster Tag, nächste Busfahrt. Diesmal aber endlich wieder mit Giant Ibis! Nach den letzten Erfahrungen waren wir froh, wieder mit dem anscheinend einzig vernünftigen Busunternehmen Kambodschas fahren zu können. Pünktlich um 8 wurden wir mit dem Bus eingesammelt, diesmal war dieser Bus aber nicht nur der Sammelbus, sondern gleich der richtige Reisebus. Was an sich nicht schlimm gewesen wäre, hätten wir nicht ausgerechnet in der Reihe gesessen, unter der sich die Hinterreifen befinden, sodass man praktisch keinen Fußraum hatte, sondern die ganze Zeit die Beine anwinkeln musste – nicht gerade schön bei vier Stunden Fahrzeit. Das hat Giant Ibis allerdings auch eingesehen und sich mit einer kostenlosen Fahrt bei uns entschuldigt, die wir eine Woche später erfolgreich einlösen konnten. So geht Kundenservice!

Gefahren sind wir übrigens nach Sihanoukville, das hier auch zumindest kurze Erwähnung finden soll, auch, wenn man es getrost lassen könnte. Sihanoukville war mal ein kleines Fischerdörfchen an der Südwestküste Kambodschas, später dann sowas wie ein Geheimtipp für Touristen, die auf unberührte Strände und entspannte Atmosphäre stehen. Spätestens durch chinesische Investitionen hat sich dieser Tourismus vor allem auf die Inseln Koh Rong und Koh Rong Sanloem zurückgezogen, während Sihanoukville in riesigen Hotelkomplexen und Spielcasinos – die meisten davon höchstens halb fertig – versank. Die zieren heute die ehemals sicherlich schöne Landschaft und Skyline Sihanoukvilles, das heute einfach nur noch eine hässliche Stadt ist, die von Touristen höchstens deshalb besucht wird, weil hier die Fähren zu den Inseln an- und ablegen. Schade drum. Auch die Strände haben unter den Investitionen gelitten, die sind heute entweder Hotelstrände (und da dann wenigstens sauber) oder Müllhalden, um die sich niemand mehr kümmert. Phu Quoc lässt grüßen. Wir sind deshalb gar nicht erst bis zum Strand gegangen, sondern nur mit dem Tuktuk bis zur Unterkunft gefahren und dort ein paar Straßen auf und ab gelaufen. Und schon da hatte die Stadt irgendwie etwas seelenloses. Das zu reparieren wird schwierig, falls man überhaupt darauf auf ist.

Zuflucht im Papa Pippo Resort

Im Nachhinein wäre es klüger gewesen, direkt am gleichen Tag die Fähre nach Koh Rong Sanloem zu nehmen. Zeitlich wäre es kein Problem gewesen, vor allem, weil seit kurzem die neue Autobahn zwischen Phnom Penh und Sihanoukville geöffnet war und wir anscheinend doppelt so schnell unterwegs waren wie noch vor ein paar Monaten vorher. Jetzt hatten wir allerdings schon eine Nacht in Sihanoukville gebucht. Das Papa Pippo Resort liegt im südlichen Teil der Stadt ziemlich versteckt in einer von vielen nicht sehr gut zu befahrenden Straßen, die entweder saustaubig sind oder vollkommen schlammig. Keine besonders schöne oder einladende Gegend, ist man aber einmal im Resort, fühlt es sich dadurch erst recht nach kleinem Paradies an. Und sieht auch so aus. Das Resort besteht aus ein paar Hütten, die um einen großen Pool angelegt sind. Im vorderen Bereich gibt es außerdem eine Bar und ein Restaurant. Wir haben es uns am Pool bequem gemacht (viel mehr zu tun war ja hier auch nicht) und die Sonne und das Wasser genossen, zumindest, bis ein heftiger Regenschauer alles unter Wasser setzte und wir auf unsere Terrasse fliehen mussten. Abends gab es dafür eine richtig gute Pizza aus dem Steinofen. Das Resort ist tatsächlich eine kleine Perle in mitten einer hässlichen Stadt. Ob sich das hier so lohnt für die paar Gäste (es waren vielleicht drei Zimmer belebt), die sich ab und an hier her verirren, ist aber höchst fraglich…