Auf in die Provinz: Ein Abstecher nach Battambang

Nachdem sich unsere Körper durch einen Tag voller Bewegungslosigkeit zumindest teilweise von Angkor erholt hatten, ging es für uns weiter zum nächsten Stopp auf unserer Rundreise durch Kambodscha. Für die nächsten vier Nächte stand Battambang auf dem Programm. Battambang gehörte wie Siem Reap lange zu Thailand, heute ist es die drittgrößte Stadt Kambodschas. Der Tourismus hat hier allerdings noch nicht so wirklich eingeschlagen, die Wirtschaftskraft der Region beruht hauptsächlich auf der Reisernte von den hier besonders fruchtbaren Böden. Deshalb erhofften wir uns von Battambang ein sehr authentisches und ursprüngliches Bild Kambodschas, natürlich gespickt mit der ein oder anderen durchaus vorhandenen Touri-Attraktionen, ohne die wir zugegebenermaßen auch eher nicht hier gelandet wären.

Dass es Touristen seltener nach Battambang verschlägt als beispielsweise nach Siem Reap wurde uns schon dadurch bewusst, dass es deutlich schwieriger war, überhaupt hinzukommen. Unser neues Lieblingsbusunternehmen Giant Ibis bediente Battambang genauso wenig wie andere größere Transportfirmen, zumindest nicht von Siem Reap aus. Am Ende haben wir den Anbieter „Go Ho Travel“ ausfindig gemacht, der sehr gut (vielleicht sogar zu gut) bei TripAdvisor bewertet ist und über den wir gut und schnell alles via WhatsApp buchen konnten. Wir wurden sogar (mit 20-minütiger Verspätung) vom Hostel abgeholt und zum Büro des Unternehmens in Siem Reap gebracht, wo uns dann unser Ticket ausgestellt wurde. Kurze Zeit später (wieder 20 Minuten später als geplant) saßen wir mit einer dauerhaft sehr besorgniserregend hustenden Kambodschanerin mit Kind auf dem Schoß und zwei Italienern, die auch durch Kambodscha reisten, in einem Siebensitzer. Nachdem wir für ein paar Minuten angenommen hatten, dass uns das Auto zum eigentlichen Bus bringen würde, wurde uns irgendwann klar, dass das unser Bus für die nächsten paar Stunden sein würde. Nun gut. Nicht so ganz das, was gebucht war, bei weitem nicht so komfortabel wie der Bus nach Siem Reap. Weder Beinfreiheit noch bequeme Sitze, keine Steckdose, keine Klimaanlage… Das Motto war hier eher „Hauptsache ankommen“. Zum Glück war das Auto nicht voll und wir hatten die hintere Dreierreihe für uns (und die Italiener als Schutzwall zwischen uns und der Keimschleuder auf dem Beifahrersitz), so konnte man die Fahrt am Ende doch ziemlich gut aushalten. Dort, wo uns das Auto in Battambang rausließ, wartete dann auch schon ein Tuktuk unserer nächsten Unterkunft auf uns. Tür-zu-Tür-Transporte sind schon was praktisches, für allem für faule Leute wie uns!

Das Por Chey Guesthouse

In Battambang ist die Auswahl, was Unterkünfte betrifft, bei weitem nicht so groß wie in Phnom Penh oder Siem Reap. Für unsere Wunschausstattung und unser Budget mussten wir uns letztendlich zwischen einem Hotel im Stadtzentrum und einem Guesthouse am Strandrand entscheiden. Unsere Wahl fiel am Ende auf letzteres, nicht zuletzt wegen des unschlagbaren Preises von 14€ pro Nacht im klimatisierten Doppelzimmer mit eigenem Bad. Am Por Chey Guesthouse angekommen wurden wir sehr herzlich vom Besitzer begrüßt und aufs Zimmer gebracht. Das Zimmer war groß und in jedem Maße…gewöhnungsbedürftig. Bunten Teppich an den Wänden hatten wir bislang auch noch nirgendwo. Das Design war auf jeden Fall interessant, „gewagt“ könnte man es auch nennen. Aber gut, bis auf die irritierende Wandgestaltung war alles zu unserer Zufriedenheit. Bis auf die Kissen. Die waren steinhart (vor allem im Kontrast zu den überraschend bequemen Matratzen die in Kambodscha generell eher steinhart sind). Auf Nackenschmerzen waren wir mental also schon mal eingestellt – gut, dass die Massagen hier so günstig sind…

Natürlich waren wir bei einem Übernachtungspreis von 14€ auf die ein oder anderen Abstriche bzw. negativen Punkte eingestellt. Die waren dann aber tatsächlich weniger im bezahlten Zimmer zu finden (die für uns schon zur Gewohnheit gewordene Hellhörigkeit mal außen vor), als ein wenig auf der organisatorischen Ebene. Das zubuchbare Frühstück war ziemlich einfach und für den Preis zu teuer. Wir haben uns deshalb einmal was bei Starbucks bestellt (Bestell-Apps sei Dank) sowie zweimal im sehr guten und empfehlenswerten Café HOC in der Innenstadt gegessen, wo wir so ziemlich das beste Frühstück während unserer Zeit in Kambodscha serviert bekamen. Im Guesthouse haben wir uns morgens auf Kaffee beschränkt, der uns sogar aufs Zimmer gebracht wurde. Was wir vom selbsternannten (?) Manager der Unterkunft halten sollten, wussten wir auch nicht so richtig. Der sehr von sich überzeugte Mann hat uns zwar eine Tour organisiert (siehe nächster Blog), was vermutlich aber nur bedeutete, dass er den Fahrer anrief, andererseits drei Tage gebraucht, um unsere kompletten Klamotten wiederzubeschaffen, die wir (leider) zum Waschen in seine Obhut gegeben hatten und von denen nach zwei Tagen immer noch unsere halbe Unterwäsche fehlte. Luft nach oben hat die Unterkunft also auf jeden Fall, für den Preis haben wir aber sehr gut und gerne dort gewohnt und geschlafen.

Eine Runde durch den Stadtkern

Die Innenstadt Battambangs ist nicht groß und kann mittels eines Spaziergangs in relativ kurzer Zeit in Augenschein genommen werden. Was gut ist, denn sehr lange hält man es tagsüber ohne Schatten wie üblich nicht lange draußen aus. Durch die Lage am Sangker River hatte die Stadt für uns zwei Zustände: grün und staubig. Am Fluss sind wir an einer schön bepflanzten und sehr aufgeräumten Uferpromenade entlangspaziert, entfernt man sich vom Fluss wird es zunehmend trocken und staubig. Wir haben oft beobachtet, wie Bewohner oder Ladenbesitzer ihre Eingangsbereiche mit Wasser aus Eimern und Schläuchen nass hielten, damit die vorbeifahrenden Autos und Tuktuks weniger Staub und Dreck aufwirbeln. Wer hier keine dichten Fenster hat (und die hat hier vermutlich niemand), verbringt wahrscheinlich zwei Drittel seines Lebens mit Staubwischen. Davon abgesehen ist Battambang als Stadt zwar nicht besonders spannend, aber doch irgendwie schön – und tatsächlich gab sie uns eben dieses authentische Gefühl einer normalen kambodschanischen Provinzstadt, das wir uns hier erhofft hatten. Wir schlenderten über den alten Markt, in dem die Bewohner ihre Lebensmittel kaufen, kauften selbst ein wenig ein (natürlich ganz unauthentisch im normalen Supermarkt). Außerdem gab es Mittagessen im vielversprechend klingenden „Khmer Delight“ – was auch wirklich gut war. Unser erster Eindruck der Stadt war also durchaus positiv, auch wenn uns nach dem ersten Streifzug durch die Stadt erstmal wieder nach Ausruhen im klimatisierten Zimmer war. Und abends nach Pizza bestellen – diese verdammten Bestell-Apps…

Zeitreise auf dem Fahrrad

Nachdem wir uns die Innenstadt zu Fuß angesehen hatten, wollten wir uns die äußeren Bereiche von Battambang auch noch zu Gemüte führen. Praktischerweise gab es kostenlos Fahrräder im Guesthouse (gut, Geld hätte man für diese Klappergestelle auch auf keinen Fall bezahlt), mit denen wir uns zunächst ins Regierungsviertel im Süden der Stadt aufmachten. Hier stehen sowohl das städtische Rathaus als auch das Verwaltungsgebäude für die gesamte Provinz, beides ursprünglich Teil des Gouverneurpalastes, als Kambodscha noch französische Kolonie war. Auch im beschaulichen Battambang kann man also noch die französische Geschichte des Landes spüren. Anschließend ging es über den Fluss in den östlichen Teil der Stadt, wo wir wieder deutlich mehr kambodschanische Architektur vorfanden. Nach sechs Kilometern Radtour durch die pralle Sonne inklusive kurzem Stopp in einem sehr guten und angenehm klimatisierten Supermarkt ging es dann aber auch schon zurück ins Hotel. Der Mensch soll ja zu einem großen Teil aus Wasser bestehen. Konnten wir während und nach dieser Tour auf jeden Fall bestätigen.