Entspannter Süden: Auf nach Puerto Jiménez
Busfahren mal anders
Von Quepos aus sollte es noch weiter in den Süden gehen. In den südlichsten Zipfel des Landes sogar, auf seine zweite, kleinere Halbinsel. Den Teil wollten wir wegen seiner Abgeschiedenheit und der daher weniger guten ÖPNV-Anbindung eigentlich auslassen, allerdings hielt uns die noch andauernde Regenzeit auf der Karibikseite Costa Ricas davon ab, jetzt schon die Küste zu wechseln. Stattdessen schoben wir spontan den Süden der Pazifikseite ein, wo sich mit dem Corcovado-Nationalpark ein weiterer bekannter Nationalpark befindet. Erstmal mussten wir allerdings irgendwie dort hin. Immerhin fanden wir nach längerer Recherche heraus, dass wir, entgegen der Informationen sämtlicher Busroutenwebseiten, ohne umzusteigen von Quepos nach Puerto Jiménez fahren können, auch, wenn die Organisation nicht gerade tückenfrei blieb.
Pro Tag gibt es eine Busverbindung von der Hauptstadt San José nach Puerto Jiménez, irgendwann kommt der Bus bei Quepos vorbei. Allerdings fährt er nicht direkt durch Quepos, sondern über die Umgehungsstraße außerhalb der Stadt. Dazu kommt noch, dass der Bus hier eigentlich gar nicht hält, sondern einen nur nach telefonischer Anmeldung mitnimmt. Nach vielen Versuchen hatten wir tatsächlich jemanden am Telefon, der sogar Englisch konnte, bei dem wir unsere Fahrt anmelden konnten. Gegen 14 Uhr sollten wir am nächsten Tag an der Umgehungsstraße stehen und auf den Bus warten – und am besten vorher nochmal anrufen, nur um sicher zu gehen. Die Person, die dann am Telefon war, konnte kein Englisch, wir konnten unser Anliegen aber trotzdem irgendwie vortragen, woraufhin es jetzt hieß, wir sollten uns gegen 15 Uhr an der Umgehungsstraße platzieren. Auch gut. Die Zeit zwischen Check-out aus unserem Airbnb und der Fahrt zur Umgehungsstraße (mit einem Uber) verbrachten wir in einem Café in Quepos, die Wartezeit an der Umgehungsstraße wiederum haben wir für ein weiteres Casado genutzt. Der Besitzer des Sodas meinte übrigens wiederum, dass der Bus wegen des Verkehrs kaum vor 15:30 hier sein würde. Er sollte recht behalten und am Ende saßen wir tatsächlich im Bus nach Puerto Jiménez – noch dazu in einem halbleeren, sodass wir es uns für die vierstündige Fahrt so bequem wie möglich machen konnten. Was das Busfahren in Costa Rica angeht, gilt auf jeden Fall das Motto: Irgendwie klappt es am Ende schon.
Raffael und sein Embassy House
Als wir abends in Puerto Jiménez ankamen, war es schon dunkel geworden. Zum Glück war unsere Bleibe für die nächsten zwei Nächte nicht weit entfernt. Wie alles hier, denn die Stadt ist ziemlich klein und schnell durchlaufen. Da wir uns eher kurzfristig für Puerto Jiménez entschieden hatten, war die Auswahl an Unterkünften noch kleiner als ohnehin schon. Am Ende sind wir bei Raffael untergekommen, einem älteren Auswanderer aus den USA, der ein Zimmer seines Hauses als Gästezimmer vermietet. Ungewöhnlich für uns, da man sich das Badezimmer mit ihm teilt (und theoretisch auch die Küche, die wir aber nicht in Anspruch genommen hatten) und er immer Zuhause war, aber zum Glück war Raffael sehr nett, machte uns morgens Frühstück und Kaffee und hatte zwei sehr liebe Tiere: sein lieber Hund Fidel und seine selten zu sehende Katze Mr. Trump („because he is fat and orange“). Er hat uns auch viele Tipps für Restaurants gegeben, von denen wir den für La Terazza direkt fürs Abendessen umsetzten. Auch wenn wir schnell gemerkt haben, dass diese Art der Unterbringung nicht die unsere ist, haben wir uns bei Raffael wohl gefühlt und gut geschlafen. Zumindest die erste Nacht…
Sightseeing und ein verhängnisvolles Glas Wasser
Puerto Jiménez ist für die meisten Touris das Tor zum Corcovado Nationalpark. Die wenigsten nehmen sich die Zeit, sich die Stadt in Ruhe anzugucken. Wir nahmen sie uns und können daher jetzt sagen: verpassen tut man eigentlich nichts. Die Stadt besteht im Grunde aus einer größeren Straße, in deren kleineren Verzweigungen sich einige wenige Geschäfte und Unterkünfte befinden. Ähnlich untouristisch wie Quepos, nur nochmal deutlich kleiner. Dafür mit den besten und breitesten Radwegen, die wir in Costa Rica gesehen haben. Vielleicht waren es sogar die einzigen Radwege, die wir in Costa Rica gesehen haben? Wir sind von einem Ende, an der sich Raffaels Haus befindet, zum anderen Ende von Puerto Jiménez gelaufen und haben dort einen Abstecher zum Stadtstrand gemacht, der neben einem kleinen Fährhafen und in unmittelbarer Nähe des kleinen Flughafens liegt, sodass die kleinen Flugzeuge, die hier landen, ziemlich dicht über den Köpfen vorbeijagen. Der Strand selbst ist kein optisches Highlight, der Sand ist eher dunkel, dafür war alles ziemlich sauber und das Wasser glatt, da es in der Bucht praktisch keine Wellen gibt. Für eine Abkühlung reichte es allemal. Abends ging es nochmal Italienisch essen, diesmal Pasta statt Pizza. Zu einem Glas Wein gesellte sich außerdem ein Glas Wasser – nicht verkehrt, wenn man so viel schwitzt. Verkehrt allerdings dann, wenn das Wasser aus der Leitung kommt und auf sensible, untrainierte Mägen trifft, die konsequent an Trinkwasser aus dem Supermarkt gewöhnt waren. In unserer zweiten Nacht in Puerto Jiménez bahnte sich jedenfalls das Wasser und alles, was sich sonst noch im Magen befand, durch sowohl obere als auch untere Körperöffnung seinen Weg in die Kloschüssel. Bali lässt grüßen. Für sowas gibt es eher nie den richtigen Zeitpunkt, aber in solchen Momenten ein eigenes, privates Bad zu haben, wäre auch nicht verkehrt gewesen…