Eine paradiesische Insel-Auszeit: Eine Woche auf Caye Caulker
Anreise mit Bus und Boot
Nach unseren ersten fünf Tagen wartete jetzt einer unserer Sehnsuchtsorte darauf, von uns bereist zu werden. Caye Caulker ist eine kleine Insel vor der Küste von Belize und war schon lange vor unserer Reise einer der Orte, auf den wir uns am meisten gefreut hatten. Wer Fotos von der Insel googelt, wird verstehen, warum. Straßen aus weißem Sand (und ohne Autos), türkisblaues Wasser, karibische Mentalität. Im Grunde das sich materialisierte Idealbild eines Urlaubs. Wer wenig Zeit und genug Geld hat, reist direkt per kurzem Inlandsflug auf den kleinen Flughafen der Insel, für alle anderen ist eine Fährfahrt von Belize City, der ehemaligen Hauptstadt von Belize, fällig. Und für uns kam noch die Anreise aus San Ignacio hinzu. Nach dem eher schlechten System öffentlicher Verkehrsmittel in Guatemala konnten und wollten wir in Belize wieder auf normale Busse umsteigen. Im Internet finden sich hier auch zahlreiche Fahrpläne und wenn man denen glaubt, fahren gefühlt minütlich Busse verschiedenster Unternehmen von San Ignacio nach Belize City. Alles schön und gut, bis man rausfindet, dass diese Pläne sonntags nicht gelten und anscheinend nur sehr spärlich Busse fahren. Nachdem uns das mehrere Leute inklusive eines Taxifahrers, der uns sehr gerne für sehr viel Geld nach Belize City gefahren hätte, erzählt hatten, sahen wir uns schon stundenlang in San Ignacio ausharren. Gewartet haben wir am Ende aber zum Glück nur etwa eine Stunde. Die Busse in Belize scheinen ebenfalls alte Ami-Schulbusse zu sein, sowohl optisch als auch von ihrer Geräuschkulisse und des Komfortlevels. Platz für Gepäck gibt es keins, das wird in die letzte Reihe geworfen, wenn es nicht über die Ablagen über den Sitzen passt. Bis Belmopan, der heutigen Hauptstadt, mussten wir stehen, den Rest der zweistündigen Fahrt konnten wir zum Glück sitzen. Insgesamt verlief unsere erste Busfahrt in Belize am Ende eigentlich ganz gut. Man kommt an. Mehr sollte man auch nicht erwarten.
Vom Busterminal in Belize City ging es mit einem Sammeltaxi weiter zum Bootsanleger von San Pedro Belize Express, einem von mehreren Anbietern für Fähren zu den Inseln San Pedro und Caye Caulker. Wir konnten uns glücklicherweise an eine nette Frau hängen, die auch von San Ignacio aus auf die Inseln wollte, allerdings hätten wir es vermutlich auch ohne sie geschafft, denn das Sammeltaxi schien extra vom Fähranbieter zu kommen, um gezielt Kunden oder jene, die es werden wollen, zum Anleger zu bringen. Der Anleger wirkte mit seinen Shops und Restaurants sogar fast wie ein kleiner Flughafenterminal. Hier kauften wir unsere Tickets für Hin- und Rückfahrt und konnten kurze Zeit später schon an Bord. Es folgte eine einstündige Fahrt durch türkisblaues Wasser, durch das man oft bis zum Boden gucken konnte, vorbei an kleinen unbewohnten Inseln, bis irgendwann Caye Caulker in Sicht kam. So eine Fahrt macht auf jeden Fall Lust auf die Insel und das ändert sich auch nach der Ankunft nicht. Lauter kleine bunte Holzhäuser sorgen für den so typischen Karibikflair. Unser Frühstück in San Ignacio war schon einige Stunden her. Dagegen half ein sehr leckeres Curry im Swings Restaurant – und danach half ein Golfkart-Taxi für den Weg zu unserer Unterkunft, denn die lag außerhalb des belebten Dorfes der Insel.
Ankunft im Paradies
Unsere Unterkunft für die nächste Woche lag ganz am westlichen Ende des belebten Teils von Caye Caulker. Das hatte den Vorteil, dass man jederzeit Trubel und Lärm des Dorfes entgehen konnte. Und da die Unterkunft Fahrräder stellte, mit denen man in zehn Minuten ins Geschehen fahren konnte, fiel uns die Entscheidung für das Wohnen am Standrand am Ende nicht gerade schwer. Und auch sonst waren wir ziemlich zufrieden mit unserer Wahl. Wir durften eine kleine weiße Strandhütte inklusive Küche, Bad und kleiner Veranda mit Hängematte unser Eigen nennen. Außerdem war man hier in wenigen Minuten an einer kleinen Lagune, die man nur mit wenigen anderen Leuten teilen musste und von der aus man den Sonnenuntergang beobachten konnte. Das Innere der Hütte war vielleicht etwas sehr dunkel gehalten, das ist aber Geschmacksache. Und gut geschlafen haben wir hier auch, obwohl man auch auf einer mehr oder weniger abgelegenen Insel bellenden Hunden und krähenden Hähnen weiterhin ausgeliefert war. Wir haben uns trotzdem sehr wohl gefühlt, viel Zeit hier verbracht, abends gekocht und sogar selbst Brot gebacken, wenn auch nur dünnes Pfannenbrot. Von denen sollten allerdings noch einige in den nächsten Wochen folgen – bis wir irgendwann kein Brot mehr sehen konnten. Am Ende waren wir aber natürlich nicht, zumindest nicht nur, wegen der Unterkunft hier. Eine Woche hatten wir jetzt Zeit, die Insel zu erkunden. Und zu genießen.
Sip’n’Dip und der Lazy Lizard
Was man auf Caye Caulker allerdings vergeblich sucht, sind weiße Traumstrände. Die Insel ist ziemlich klein und das Dorf besteht hauptsächlich aus touristischer Infrastruktur. Läden, in denen man Klamotten und Postkarten kaufen kann, Supermärkte, Hotels, Restaurants, Touranbieter – und Beach Bars. Letztere sind, obwohl es auf der Insel gar keinen richtigen Beach gibt, die wohl meistbesuchten Orte und besonders zwei Bars haben sich in den letzten Jahrzehnten einen Namen gemacht. Am nordöstlichen Ende des Dorfes liegt das Sip’n’Dip, eine Beach Bar, die vor allem durch ihre Sitzgelegenheiten im flachen Wasser punktet. An denen kann man nicht nur ein kühles Bier trinken, sondern auch etwas essen. Letzteres fanden wir etwas komisch, vor allem, weil die Wellen, die hier hin und wieder auf die Küste treffen, gar nicht mal so schwach sind und eher nicht dazu einladen, in Ruhe sein Mittagessen zu löffeln. Für ein Getränk oder einfach nur einen kurzen Sprung ins Wasser reicht es aber auf jeden Fall. Vor allem dann, wenn gerade wenig los ist und keine (oder vergleichsweise unnervige) Musik aus den überdimensionalen Boxen dröhnt.
Die noch bekanntere Beach Bar ist der Lazy Lizard, der sich direkt am „Split“ befindet. Das ist die Stelle, an der die Insel in den 1960er-Jahren durch einen Hurrikan geteilt wurde. Hier ist das Wasser besonders flach und sieht dementsprechend schön hellblau aus. Und auch hier gibt es Sitzgelegenheiten im Wasser, dazu noch einen Sprungturm und einen kleinen geschützten Bereich zum Baden. Der Fokus liegt aber auch hier auf dem Konsum von nicht gerade günstigen Getränken – und leider auch wieder auf viel zu lauter Musik. Durch die Popularität der Bar treiben sich hier ganztags dauerbesoffene Gäste herum, die nicht gerade zu einer entspannten Atmosphäre beitragen. Spätestens hier wird einem klar, dass Caye Caulker nach Cancún in Mexiko so etwas wie der Ballermann für Amerikaner zu sein scheint. Dementsprechend gilt hier das gleiche wie für das Sip’n’Dip: Findet man einen freien Platz zu einer einigermaßen angenehmen Zeit, lädt der Ort auf jeden Fall zum Verweilen uns ins Wasser springen ein. Das ist leider aber selten der Fall.
Zu Gast im Animal Shelter
Eine vielleicht ungewöhnliche, aber bei näherer Betrachtungsweise absolut notwendige, erforderliche und unterstützenswerte „Sehenswürdigkeit“ Caye Caulkers ist der Animal Shelter, der sich mitten im Dorf befindet und ehrenamtlich betrieben wird. Wie eigentlich überall auf der Welt gibt es auch auf Caye Caulker einige Straßenhunde und -katzen, die hier liebevoll versorgt werden und einen Unterschlupf haben. Der Besitzer hat uns erzählt, dass er regelmäßig in der Welt unterwegs ist, um Tiere überall hin zu vermitteln und ins neue Zuhause zu begleiten. Wir waren zweimal hier und haben Tiere gestreichelt und sie einfach beim Spielen und Faulenzen beobachtet. Bei unserem zweiten Besuch war Fütterungszeit und wir waren überrascht, wie friedlich die Hunde und Katzen, die nacheinander gefüttert wurden, nebeneinander leben und brav auf ihr eigenes Futter warten. Am liebsten hätten wir direkt einige Tiere mitgenommen. Wer will, kann sich auch einen Hund schnappen und mit ihm Gassi gehen. Wir haben am Ende Spenden in Form von Bargeld und Futter dagelassen, das man auf der Insel in jedem Supermarkt kaufen kann. Schön zu sehen, dass hier an die Tiere gedacht wird.