Eine kleine Portion Madeira: Zwei Tage in Funchal
Zu Fuß in die Altstadt
Sich auf Madeira zu Fuß zu bewegen ist womöglich nur zu einem kleinen Teil sinnvoll und machbar. So klein ist die Insel dann doch nicht, in andere Städte geht es eher mit Bus oder Mietwagen (und dann höchstens auf Wanderwegen ohne fahrbaren Untersatz weiter). Kürzere Strecken wie von unserem Hotel in die Funchaler Altstadt sind allerdings kein Problem, zumal es dorthin bergab geht. Und mit ständigem Meerblick läuft es sich sowieso besonders gut. Der gute erste Eindruck von Madeira setzte sich jedenfalls erfolgreich fort. Überall standen schöne Häuser (viele davon warteten bestimmt darauf, von uns gekauft und bewohnt zu werden…), gefühlt jeder zweite Laden war ein Café mit den köstlichsten Pasteis de Nata hinter der Theke und das Wetter spielte auch noch mit. Der Himmel war blau, überall roch es nach Blumen, besser hätte unsere Rückkehr nach Europa nicht sein können. Europa freute uns offenbar genauso sehr, uns wiederzusehen, wie andersrum. Einen schönen Park mit noch schönerem Meerblick als zuvor haben wir auf unserem Weg in die Altstadt auch noch gefunden. Wenn die jetzt auch noch schön würde, sollten wir vielleicht einfach für immer hier bleiben.
Die Altstadt von Funchal ist eigentlich genau so, wie man sich eine europäische Altstadt vorstellt. Enge Gassen, Kopfsteinpflaster, alte Gebäude. Typisch für Südeuropa kam dann noch hinzu, dass in vielen der Gassen Restaurants ihre Außenbereiche aufgebaut hatten und es dort oft fast noch besser roch als von den blühenden Pflanzen oder den Blumenteppichen, die auch hier zahlreich vertreten waren. Wir haben uns dann noch ein bisschen aus der Altstadt rausbewegt und einen schönen Aussichtspunkt gefunden, an dem man auch wunderbar aufs Meer gucken konnte. Wie überall halt. Aber wir hatten uns noch lange nicht daran sattgesehen.
Der Mercado dos Lavradores
Mitten in der Altstadt befindet sich außerdem das Marktgebäude des berühmten Mercado dos Lavradores. Hier gibt es zwar auch Fisch und Gemüse, besonders bekannt ist der Markt aber für seine Obst- und Blumenstände, die das ganze Gebäude in bunte Farben tauchen. Den wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen und tatsächlich ist hier alles mindestens so bunt und farbenfroh wie erwartet. Wir sind sogar positiv überrascht gewesen, denn eigentlich steht der Markt seit Jahren in der Kritik. Möglich, dass man das Obst in umliegenden kleineren Geschäften günstiger bei gleicher Qualität kaufen kann – allerdings sollen die Marktverkäufer sehr aufdringlich sein und Kunden, besonders aber Touristen zum Kauf bewegen, wenn nicht sogar zwingen. Das tun sie angeblich vor allem dadurch sehr erfolgreich, indem sie ihr Obst, das sie zu nur zu gerne gratis probieren lassen, vorher heimlich süßen. So schmeckt die aufgeschnittene Maracuja natürlich doppelt so gut. Und das rechtfertigt natürlich auch den doppelten Preis. Blöd nur, wenn die gekaufte Maracuja zu Hause dann doch nicht mehr so gut schmeckt, jedenfalls nicht mehr so süß. Ob die Verkäufer diesen Trick tatsächlich weiterhin anwenden, wissen wir nicht, wir hatten aber an keinem Stand das Gefühl, dass die Verkäufer die Besucher hier besonders bedrängten. Probiert haben wir trotzdem nichts. Um einmal über den Markt zu laufen, sich die Blumen, Gewürze und zum Teil uns komplett unbekannten Obst- und Gemüsesorten anzuschauen, war es den Besuch aber auf jeden Fall wert.
Snackzeit auf dem Blumenfest
Während der Mercado dos Lavradores jeden Tag von früh bis spät Kunden, vor allem natürlich Touristen, empfängt und bedient (und vielleicht übers Ohr haut), gibt es das Festa da flor, also das Blumenfest, nur einmal im Jahr auf Madeira. Das Fest läutet traditionell den Frühling ein und findet immer zwei Wochen nach Ostern statt. Als wir Madeira gebucht hatten, wussten wir weder, dass dieses Fest existiert, noch dass wir genau zur rechten Zeit auf die Insel fliegen würden. So haben wir Madeira wirklich im wahrsten Sinne des Wortes in seiner vollen Blüte erlebt. Während des Blumenfests ist die Stadt nicht nur schön geschmückt, es gibt auch jede Menge Veranstaltungen, Konzerte und Märkte. An letzterem sind wir – auch hier total zufällig – vorbeigelaufen. Hier gab es jede Menge Obst- und Gemüsesamen zum Selberpflanzen zu kaufen, außerdem jede Menge Fusel aus Bananen und Maracuja (Madeira schwimmt in Obst und irgendwie muss man es ja haltbar machen) und natürlich Pasteis de nata. Nicht jeden Tag mindestens einen dieser Küchlein zu essen gilt in Portugal übrigens als Beleidigung. Nein, das war erfunden, aber wenn es danach ginge, können wir jedenfalls behaupten, den Portugiesen sehr wohlgesonnen zu sein.
Ausflug zum Botanischen Garten
An unserem zweiten Tag in Funchal wollten wir eigentlich einen absoluten Klassiker mitnehmen. Mit einer Seilbahn fahren jeden Tag tausende Touristen ins kleine Bergdorf Monte. Hier guckt man sich wahlweise einen Botanischen Garten an, guckt einfach nur aufs Meer oder schlendert ein bisschen herum, bevor es entweder mit der Seilbahn wieder runter geht oder mit einer Korbschlittenfahrt. Die ist heute nur noch eine Touri-Attraktion, war früher aber wohl ein gängiges Transportmittel die steilen Straßen hinunter. Bei der Fahrt waren wir uns von vornherein einig, dass wir sie auslassen würden, denn weder reizte uns ein kurzes Schlittern über die Straßen, noch ein Preis von 30 Euro. Natürlich ohne Trinkgeld. Dass wir das mit der Seilbahn auch lassen würden, haben wir dann erst spontan am Startpunkt in Funchal entschieden. Die Schlange war zwar nicht allzu lang, allerdings wäre man mit irgendwelchen fremden Leuten in eine Gondel gequetscht worden und hätte die Fahrt vermutlich nicht wirklich genießen können, selbst wenn nicht fünf Köpfe und zehn Schultern den Blick nach draußen versperrten. Dafür dann pro Fahrt 13 Euro pro Person auszugeben war irgendwie wenig reizvoll.
Alternativ sind wir dann mit dem normalen Linienbus zum üblichen Tarif hoch zum Botanischen Garten gefahren. Der liegt auf halber Höhe zwischen Funchal und Monte, kostet 7,50 Euro Eintritt und bietet neben einem Museum mit irgendwelchen Fossilien in Vitrinen vor allem eine große, an einem Hang gelegene Sammlung an Bäumen, Sträuchern, Blumen und – das heimliche Highlight – Kakteen. Während uns weder das Museum noch der Garten an sich besonders umgehauen hatten, obwohl der Meerblick von so weit oben auch jede Menge für sich hatte, war der Kakteenbereich wirklich schön und lohnenswert. Hier durch die vielen teils meterhohen Kakteenbäume zu laufen war schon irgendwie beeindruckend. Ein bisschen kam man sich hier vor wie in einer Wüste, trotz des vielen Grüns. Nach knapp zwei Stunden haben wir den Garten wieder verlassen und sind mit dem nächsten Bus wieder runter nach Funchal gefahren. Dass wir die Seilbahn ausgelassen hatten, fanden wir am Ende nicht nur wegen des übertrieben hohen Preises überhaupt nicht mehr schade. Die Busfahrt war nämlich noch ein ungeahntes Highlight, denn so hat man nicht nur viel von Funchal bzw. seinen Vororten gesehen, die den meisten Touristen wahrscheinlich verborgen bleiben, man wurde außerdem Zeuge davon, wie es Busfahrer auf der Insel schaffen, große lange Fahrzeuge durch viel zu enge Straßen zu manövrieren und dabei auch noch dem Gegenverkehr und parkenden Autos auszuweichen. Wir hätten hier nicht mal mit dem kleinsten Kleinwagen fahren wollen. Gut, dass das Fahren im Bus andere für einen erledigen. So hatte man außerdem mal wieder Zeit für das, was wir auf Madeira eigentlich von allen Sachen am liebsten und am häufigsten getan haben: aufs Meer gucken. Wir werden irgendwann definitiv nochmal zurückkehren. Madeira ist viel zu schön, um es bei nur zwei Tagen und einer Stadt zu belassen.