Drei Tage im Weltkulturerbe: Buntes, schönes Antigua
Für und Wider im Central Hostel
Gegen 23 Uhr setzte uns unserer Fahrer am Eingang des Central Hostel in Antigua ab. Dort wurden wir freundlich empfangen, uns wurde schnell die Gemeinschaftsküche gezeigt, in der man auch kostenlos Trinkwasser bekam (immer ein großes Plus!) und dann ging es auch schon aufs Zimmer. Vier Nächte waren wir insgesamt hier, die erste in einem Zimmer mit eigenem Bad, danach mussten wir leider in ein Zimmer mit Gemeinschaftsbad umziehen. Das „leider“ schlug ziemlich schnell in ein „zum Glück“ um. Denn wie sich herausstellte, war das „eigene“ Bad nur durch eine dünne, nicht ganz zur Decke reichende Trennwand vom Nachbarbad abgetrennt. Das war nicht nur aus Prinzip Beschiss, da jede Bahnhofskabine mehr Privatsphäre bietet als dieses „private Bad“, sondern war vor allem dann ein Reinfall, wenn die Partei im Nebenzimmer die ganze Nacht aufs Klo rennen und kotzen muss. Gut, denen ging es vermutlich mit dieser Situation schlimmer als uns. Aber mit einem richtigen privaten Bad wäre (uns) das nicht passiert! So waren wir jedenfalls ganz froh, als wir am nächsten Morgen vom Erdgeschoss ins Obergeschoss ziehen mussten. Das Zimmer war größer, ruhiger und das Gemeinschaftsbad hat außer uns eh kaum jemand genutzt. Insgesamt war das Hostel wirklich ganz gut, es gab ein kleines Frühstück aus Pancakes und Kaffee, eine große Dachterrasse, eine gut ausgestattete Küche und einen großen grünen Innenhof. Auch die Lage ist gut: Ziemlich nah an der Innen- bzw. Altstadt, trotzdem ruhig. Nur das private Badezimmer…das wird in schlechter Erinnerung bleiben. Vermutlich auch für unsere Nachbarn.
Einmal UNESCO und zurück
Antigua war früher die Hauptstadt des spanischen Kolonialreichs in Mittelamerika und ist spätestens seitdem es wegen seiner Kolonialarchitektur zum Weltkulturerbe gehört ein Touristenmagnet geworden. Deshalb ist es auch kein Wunder, dass es die Stadt sofort gefallen hat. Man merkt schon, dass hier Gelder fließen, wodurch alles instandgehalten werden kann und die Straßen und Fassaden ihren Charme behalten. Überrascht waren wir eher davon, dass verhältnismäßig wenig los war. Gut, das Wetter war nicht perfekt, bewölkt und für unsere Verhältnisse sogar frisch, für uns aber umso besser. Wir haben es sehr genossen, einfach durch die Straßen zu laufen. Oft fühlte es sich an wie in einer mittelalterlichen europäischen Stadt. Kopfsteinpflaster, alte bunte Gebäude, Kirchen und natürlich der berühmte Torbogen – Fotomotiv Nummer eins, wenn’s um Antigua geht. Es war wie eine kleine Zeitreise in die Vergangenheit. Gelebte Geschichte sozusagen. UNESCO sei Dank. Die sorgt womöglich auch dafür, dass sich zwar bekannte Marken wie Burger King, Starbucks und Dunkin Donuts in Antigua ansiedeln können, aber auf großflächige Werbung an den Fassaden verzichten müssen. Man muss hier also richtig nach den Läden suchen – oder einfach Google fragen. Je nachdem. Wer nicht auf bekannte Ketten aus ist, findet aber auch sonst etwas für jeden Geschmack. Schöne Cafés, Restaurants und Bäckereien gibt es hier an jeder Ecke. Und wenn das Wetter mitspielt, sieht man von der Stadt aus auch den ein oder anderen Vulkan, von denen es einige in Guatemala gibt. Wir waren jedenfalls sehr froh, mal hier gewesen zu sein. Definitiv eine der schönsten Städte unserer gesamten Reise!
Samstag: Markttag
Manche Gewohnheiten sind irgendwie überall auf der Welt gleich. Egal wie unterschiedlich Kulturen zu sein scheinen, am Samstag geht einfach jeder zum Markt. Überall. Auch in Antigua. Und wir dann halt auch. Auf dem Markt in Antigua gibt es nicht nur Lebensmittel, sondern auch Klamotten, Schulsachen, gebrannte DVDs, Werkzeug… Also eigentlich alles. Wer sich ein bisschen vom Trubel entfernt, findet direkt neben dem eigentlichen Markt noch einen kleinen Kunst- und Handwerksmarkt. Hier bekommt man aber größtenteils Touri-Zeug, in Guatemala bedeutet das meistens Taschen und Klamotten im Maya-Style, zusätzlich zu dem üblichen Gewirr aus Postkarten, Magneten und garantiert selbstgemalten Bildern von irgendwelchen langweiligen Landschaften, die aber komischerweise jeder zweite im Sortiment hat. Dieser Marktteil ist dann leider auch nur so lange ruhig und entspannt, bis die Händler einen als Touristen identifiziert (was nicht schwierig ist) haben und vom besten Preis für die beste Ware überzeugen wollen. Zurück auf dem Hauptmarkt kauften wir noch unsere ersten Erdbeeren 2023 und fanden durch Zufall den Busbahnhof der Chicken Busse, den in Guatemala üblichen Bussen. Das sind ausrangierte Schulbusse aus den USA, jeder aufwändig lackiert und vom jeweiligen Besitzer gehegt und gepflegt. Der Name kommt daher, dass die Busse von vielen noch für den Transport ihres Federviehs genutzt werden. Vielleicht aber auch, weil man dort je nach Andrang wie Hühner in einem zu engen Käfig zusammengepfercht ausharren muss. Passen tut jedenfalls beides – und deshalb haben wir uns zwar immer gefreut, wenn wir eines der schmucken Dinger irgendwo gesehen haben, von innen haben wir uns das Ganze aber nicht angetan. Auch wenn sich jeder coole Traveler, der etwas von sich hält, jetzt die Haare rauft, weil wir dann ja gar nicht wirklich in Guatemala waren. Sorry.
Steile Straßen und fieses Essen
Antigua selbst hat bis auf die Altstadt nicht viel zu bieten. Viele Besucher, auch einige aus unserem Hostel, brechen von hier aus zu mehrtägigen Vulkanwanderungen auf, für die wir mal wieder zu faul waren. Etwas Bewegung sollte es aber trotzdem werden: Für unseren dritten vollen Tag haben wir uns einen Besuch des cerro de la cruz vorgenommen, einem Aussichtspunkt nördlich der Altstadt. Der ist entweder über einen schönen Spazierweg zu erreichen, oder über eine richtig ekelhaft steile Straße durch ein nicht gerade schönes Wohngebiet. Letzteres erschien uns aus irgendeinem Grund die bessere Option (wobei man fairerweise sagen muss, dass wir das nicht wirklich vorhersehen konnten und Google Maps noch keine „Achtung, es ist verflucht steil“-Warnung ausgibt). Für die Aussicht hat es sich am Ende aber trotzdem gelohnt, auch wenn der eigentliche Bereich mit dem namensgebenden Kreuz und Sitzgelegenheiten gerade gesperrt und renoviert wurde. Für den Rückweg entschieden wir uns dann aus nachvollziehbaren Gründen doch für den schönen Weg. Der brachte uns dann auch in Teile der Stadt, die wir vorher nicht besucht hatten. Inklusive einer schönen Location für Churros. Lecker!
Weniger lecker war das Abendessen, von dem wir bis heute nicht wissen, was es eigentlich genau war. Irgendeine Art Gemüsesuppe und angeblich typisch für Guatemala. Und leider irgendwie eklig. Es kam eigentlich nie vor – weder davor noch danach –, dass wir ein Essen einfach stehen ließen, hier war es leider der Fall. Das Ambiente des Restaurants hätte schöner nicht sein können, umso ärgerlicher, dass das Essen nicht das hielt, was es versprach. Und nicht nur das Essen sorgte für unseren vorzeitigen Abgang, den Rest steuerten die Böllerexplosionen unmittelbar neben dem Restaurant bei. Wie wir hier und später noch mehrfach lernen mussten, stehen die Guatemalteken total auf Feuerwerk. Allerdings nicht auf schönes mit Raketen und Leuchteffekten, sondern auf extrem lautes Geknalle. Am liebsten morgens, mittags und abends, zu Geburtstagen, Trauerfeiern, wenn die Sonne auf- oder untergeht oder wenn sonst irgendetwas passiert, mit dem man unangekündigte Explosionen rechtfertigen kann. Was Feierkultur und Kulinarik angeht, sollte Guatemala jetzt nicht gerade unser Lieblingsland werden. Das konnten wir an diesem Abend bereits festhalten.