Acht Tage Seeblick Teil 1: Unser Haus am See

Guatemala bietet leider bei weitem kein so gutes Bussystem wie Costa Rica. Das war für uns ein echtes Problem, denn als Alternative kamen als low-budget-Variante eigentlich nur die Chicken Busse in Frage. Die bringen einen zwar überall hin, fahren aber meistens nur kurze Routen. Wer richtig vorankommen will, steigt nicht selten mehrfach um. Das machen vielleicht manche Leute für die „Experience“ und um mit dieser Geschichte ein Leben lang ihre Freunde nerven zu können, für uns war es definitiv zu viel Aufwand und zu unkomfortabel. Für unsere Anreise zum Atitlan-See haben wir uns deshalb ein Shuttle genommen, also quasi einen Kleinbus, der gezielt Touristen von A nach B bringt. Praktisch, aber teuer. Und leider kam unser erstes Shuttle direkt mal 45 Minuten zu spät (Mittelamerika und Pünktlichkeit… kannten wir ja mittlerweile schon) und wir rechneten schon damit, dass wir uns nach einer Alternative umsehen müssen. Am Ende kam es und es war dann sogar sehr bequem. Was man von den nächsten Shuttles nicht mehr unbedingt behaupten konnte. Und pünktlich waren sie trotzdem nicht…

Drei Stunden später waren wir in San Pedro La Laguna, einem von vielen kleinen Ortschaften um den See Atitlan, auf den wir während unserer Anreise schon einige sehr schöne Blicke werfen konnten. Der erste Eindruck hätte also besser nicht sein können. Auf dem Weg zu unserer Unterkunft musste sich dann das Tuktuk ziemlich abmühen, da sie oberhalb der Stadt lag und die Straßen hier generell eher steil sind. Unterwegs musste sogar eine dritte Person, die anfangs zu uns gequetscht wurde (ebenfalls inklusive Gepäck), wieder aussteigen. In unserer Unterkunft begrüßte uns dann nicht nur unser Gastgeber, sondern leider auch das nächste Hindernis: ein Stromausfall im gesamten Ort. Das machte unsere Kaffeepläne zunichte und verleitete uns dazu, nochmal zu Fuß runter nach San Pedro zu laufen und dort irgendwo auf Kaffeesuche zu gehen – immer den Geräuschen der Notstromaggregate nach. Unser Fund war ein Restaurant, das zwar an sich optisch nicht viel hergab, aber einen atemberaubenden Blick über fast den gesamten See bot. Wir waren richtig begeistert – nicht nur vom Kaffee! Und waren spätestens jetzt froh, uns direkt für mehrere Tage hier eingebucht zu haben.

Kleiner Luxus: Ein eigenes Haus

Ähnlich wie Antigua ist ein Aufenthalt in einem der vielen kleinen Orte am Atitlan-See der Standard jeder Guatemala-Reise. Selbst, wenn man nicht quer durchs Land reist ist der See von Antigua oder Guatemala-Stadt aus relativ leicht zu erreichen und – jetzt sagen wir das einfach auch mal – sollte bei keiner Guatemala-Reise ausgelassen werden. Wer hier nach dem für sich richtigen und perfekten Ort sucht, wird von einer Fülle von Ratgebern und Blogbeiträgen erschlagen, die zwar alle unterschiedliche Tipps geben, aber irgendwie doch das gleiche sagen: San Pedro ist laut und voller Partybackpacker, Panajachel ist zu voll und besteht nur aus nervigen Händlern, San Juan, San Marcos und viele weitere, kleinere Orte sind ruhige Geheimtipps. Wir haben uns letztendlich für San Pedro entschieden – auch der Infrastruktur wegen – und sind damit am Ende sehr gut gefahren (dazu später mehr).

Die Entscheidung für die angebliche Partyhochburg hatte aber vor allem Unterkunftsgründe: In San Pedro haben wir ein tolles und erschwingliches Airbnb gefunden, in das zwar eigentlich zwei Parteien passen, wir aber einfach komplett gemietet haben. Deshalb konnten wir hier einen kleinen Vorgarten (inklusive Katzenbesuch), eine große Wohnküche, zwei Bäder, zwei Schlafzimmer und eine große Dachterrasse mit dem vielleicht besten Seeblick der ganzen Stadt für sechs Nächte unser Eigen nennen. Auf letzterer haben wir am Ende gar nicht so viel Zeit verbracht, wie gedacht, dafür fehlten dort oben eindeutig gemütliche Sitz- bzw. Liegemöbel. Umso mehr haben wir unsere eigene Küche und das Sofa genossen, auf dem wir hier quasi gelebt haben.

Unser Alltag in San Pedro

Zwar haben wir unser Haus auch als Ausgangsstation für Ausflüge genutzt (siehe unten), wir haben dort aber auch einfach ein paar richtig entspannte Tage verbracht und uns fast so etwas wie einen Alltag aufgebaut. Der bestand zuallererst aus Kaffee auf dem Sofa, Frühstück und nachmittags aus einem obligatorischen Kurzbesuch im „Zentrum“ zum Einkauf im Supermarkt oder an den vielen Straßenstränden für frisches Obst und Gemüse, für den wir immer runter gelaufen sind (und dabei die Aussicht genossen haben), für den doch sehr steilen Weg zurück aber immer ein Tuktuk genommen haben. Den Euro waren uns unsere müden Beine wert. Und generell tat es richtig gut, sich hier mal wieder einen richtig normalen Alltag aufzubauen. San Pedro wurde für uns dadurch auch schnell ein Ort zum Wohlfühlen, auch wenn es hier sonst nicht wirklich viel zu erleben gab. Vom angeblichen Partyhotspot haben wir jedenfalls nichts mitbekommen, lediglich ein kurzes Straßenstück unten am Bootsanleger, in denen sich ein paar Hostel und einfache Hotels befinden, hat ein bisschen den typischen Backpacker-Charme versprüht (also: nervige Leute zu nerviger Musik). Dass generell aber von San Pedro abgeraten wird, können wir nicht nachvollziehen. Auch wenn wir in den nächsten Tagen feststellen sollten, dass es noch deutlich schönere Orte am Atitlan-See gibt.