Die größte Stadt im Mekongdelta: Zwei Tage in Can Tho
Eine tierisch abenteuerliche Busfahrt
Die nächste Busfahrt stand an. Immer noch im Mekongdelta, wieder drei Nächte, wieder mit Tour. Also eigentlich alles nochmal so wie in Ben Tre, nur dass es heute nach Can Tho ging, der Hauptstadt der Region, um einiges größer und um einiges touristischer. Ein bisschen wehmütig checkten wir aus unserem Nobelschuppen aus, hier hätten wir es auch einen Monat lang ausgehalten. Das Hotel hatte sich sogar noch sehr lieb um unseren Weitertransport gekümmert. Um den Sprachproblemen zu entgehen, rief man uns einerseits ein Taxi, das uns zum Busterminal fuhr (sogar mit angeschaltetem und funktionierendem Taxameter, ein absolutes Novum, viele Vietnamtouristen kennen sowas nur aus Erzählungen und alten Legenden) und schrieb uns andererseits einen Zettel, den wir am Ticketschalter abgeben sollten. Auf Vietnamesisch stand darauf wohl sowas wie „Verkauft diesen beiden hilflosen Touristen bitte Bustickets nach Can Tho und zeigt ihnen genau wo sie hinmüssen“. In der Theorie also super und wir stellten uns auf eine unkomplizierte Weiterreise ein, zumal die letzte Busfahrt so angenehm und komfortabel war. In der Praxis lief alles etwas anders. Das Taxi holte uns um 12:00 am Hotel ab, um 12:15 waren wir am Busterminal, um 13:30 fuhr der Bus. Wieso wir unbedingt so früh an der Haltestelle sein mussten, wissen höchstens die Hotelangestellten. Den Zettel gaben wir zwar am Ticketschalter ab, die Dame erklärte uns aber mit Zeichensprache, dass wir die Tickets direkt beim Fahrer kaufen und sie nur Tickets nach Ho Chi Minh Stadt verkauft. Also saßen wir jetzt über eine Stunde in einem sehr warmen Busterminal und warteten, bis der Busfahrer uns einsteigen ließ (der richtige Bus war zum Glück schnell gefunden – leider ein normaler Bus, keine coolen Liegesitze). War also alles irgendwie gut gemeint vom Hotel aber nicht wirklich durchdacht. Als wir andere haben einsteigen sehen, sind wir auch zum Bus und haben gerade noch so die letzten Plätze in der letzten Reihe bekommen. Eigentlich war es nicht die letzte Reihe, aber alles hinter uns war mit riesigen Reissäcken und Gepäckstücken beladen. Wir würden also entweder irgendwann in Can Tho ankommen oder bei der nächsten starken Bremsung von einem Sack erschlagen. Aber auch im vorderen Teil gab es einiges zu sehen. In Kartons, die mehr oder weniger sicher auf Koffer und Rucksacke gestapelt waren, befanden sich lebende Tauben. Und das Gackern in der Reihe vor uns, was wir anfangs für einen WhatsApp-Sound hielten, kam am Ende tatsächlich von zwei lebendigen Gänsen, die in einer Tüte transportiert wurden. Die werden mittlerweile wohl nicht mehr unter uns weilen, sondern haben irgendwo ein festliches Mahl abgegeben. Nach etwa drei Stunden und gefühlt hundert Stopps, in denen der Fahrer Pakete und Menschen aus- und einlud, erreichten wir Can Tho. Das war jetzt wirklich mal eine authentische Fahrt mit einem Local Bus, der Liegebus war dagegen die ultimative Luxusvariante.
Französisch-vietnamesischer Streifzug
Zu unserem Hotel war es noch eine kurze Grab-Fahrt, denn das Busterminal lag außerhalb der Innenstadt (und einen inbegriffenen Transport zum Hotel gab es diesmal leider auch nicht). Die nächsten Nächte hatten wir das TTC Hotel Can Tho gebucht. Wieder zentrale Lage am Fluss, allerdings lag unser Zimmer nach hinten raus (also Stadt- statt Flussblick) und das Hotel hatte vier statt fünf Sterne. Quasi unter unserem Niveau, aber noch erträglich. Das Hotel war trotzdem wieder sehr schön, es war ruhig, der Hotelpool war eine willkommene Abkühlung und die Lage wirklich gut, um Can Tho zu erkunden. Verlässt man das Hotel, läuft man direkt auf die Flusspromenade zu, an der man wunderbar entlang spazieren kann. Dann ging es durch einen kleinen Park, aus dem einem Ho Chi Minh zuwinkt und vorbei an vielen Läden und Restaurants. Wir waren überrascht, wie sauber es hier war und dass es zur Abwechslung mal richtige und breite Fußwege gab. Touristisch zu sein hat halt auch seine Vorteile. Vor allem für Touristen. Je weiter man sich vom Fluss entfernt, desto normaler und untouristischer wird es. Mit anderen Worten: die Fußwege verschwinden und Roller versuchen einen wieder aus allen Richtungen umzubringen. Trotzdem kämpften wir uns durch die Straßen zur bei Google am besten bewerteten Wäscherei, denn es war mal wieder Zeit für saubere Klamotten. Entgegen der guten Bewertungen kamen wir mit Englisch mal wieder nicht weit, hofften aber, der Dame erfolgreich erklärt zu haben, was wir wollen und wo die Wäsche hingebracht werden soll (Lieferservice war nämlich inbegriffen). Wir waren gespannt. Und ein bisschen besorgt. Aber bislang hat es ja immer irgendwie geklappt…
Zwischen Kultur und Kulinarik
Can Tho hat einiges zu bieten, auch abseits der Flusspromenade. Unseren ersten vollen Tag haben wir damit verbracht, uns ein bisschen in der Stadt zu orientieren. Und – wie immer – jede Menge köstlicher Dinge zu essen. Von einem guten Frühstücksbuffet im Hotel gestärkt (hier gewinnt das Hotel ganz klar gegen das in Ben Tre), bogen wir diesmal in die Straße ein, die vom Fluss weg führte. Hier war es sofort weniger touristisch, eigentlich gar nicht touristisch. Keine Restaurants, keine Cafés, nichts. Dafür erstaunlich viel Streetart an den Wänden, die wir hier so nicht erwartet haben. Generell kam uns Can Tho wie eine Stadt mit vielen Gegensätzen vor. Buchläden neben Tempeln neben großen modernen Einkaufszentren. Der omnipräsente Geruch nach Fleisch von den zahllosen kleinen Straßenständen, von denen man unweigerlich eingeräuchert wurde und gleich dahinter eine Straße, die für ihre vegetarischen und veganen Restaurants bekannt ist (und wo wir sehr lecker und sehr, sehr günstig gegessen haben). Und über allem schwebt der große Gegensatz zwischen französischer Geschichte und vietnamesischem Nationalgefühl. Den findet man in Can Tho besonders in den Restaurants, in denen man vietnamesische Küche zu französischem Wein genießen kann. So ganz aufgeben will man das französische Erbe jedenfalls nicht, und sei es nur aus wirtschaftlich-touristischen Gründen. Das kommt uns natürlich entgegen, denn so gut gegessen wie beispielsweise im Sao Hôm Restaurant im alten Marktgebäude haben wir in Vietnam selten.
Über den Dächern von Can Tho
Gut essen war auch das Stichwort für unseren letzten Abend in Can Tho. Der fiel mit unserem Verlobungstag vor drei Jahren zusammen und praktischerweise hatten wir mit dem L’Escale das passende Restaurant fast direkt vor der Hoteltür. Wie der Name schon vermuten lässt, sind auch hier französische Hände im Spiel. Das Restaurant sticht aber vor allem dadurch hervor, dass es im Dachgeschoss eines Eckgebäudes direkt am Fluss liegt. Man hat von hier einen wunderschönen Blick auf die Flusspromenade und wenn man zur richtigen Uhrzeit dort ist, sieht man, wie die Sonne am Horizont verschwindet und das Tageslicht gegen Straßenlaternen ausgetauscht wird. Dazu dann noch gutes Essen, guter Wein und ein schön dekorierter Tisch. Was will man mehr? Höchstens Nachtisch, den gab es dann in Form des günstigsten Weißweins, den wir mittags im Supermarkt gefunden hatten. Vielleicht nicht ganz so edel wie das Essen vorher, aber so gleicht man den etwas überm Budget liegenden Restaurantbesuch wieder aus…