Das Leben vom und mit dem Mekong: Bootstour durch Ben Tre

So wie sich das ganze Leben in Ben Tre und der gesamten Region um den Mekong dreht, sollte sich heute für uns zumindest ein Tag um ihn drehen. Wir hatten über das Hotel für 30€ pro Person eine Bootstour gebucht, die uns das Leben auf, am und mit dem Mekong näherbringen sollte. Um 9 Uhr wurden wir dafür in der Hotellobby von unserem Guide abgeholt. Er erklärte uns zunächst (in für vietnamesische Verhältnisse sehr gutem Englisch) den Tourablauf und nahm uns dann mit zum Boot, das fast direkt vor dem Hotel am Ufer parkte. Dann ging es zunächst durch den Ben Tre River Richtung Westen, während unser Guide uns jede Menge über das Leben hier erzählte. Wie sie aus Kokosnusspalmenblättern früher Dächer für ihre Häuser gebaut haben, wie sie im Fluss fischen und wie der Fluss in der Regenzeit auch regelmäßig für Überschwemmungen sorgt. Hier wurde schon deutlich, dass er quasi das ganze Leben in der Region bestimmt. Fun fact: Uns wurde erklärt, dass jetzt am Übergang von Regen- zur Trockenzeit „kühle Winde“ vom Meer kämen und man jetzt deshalb öfter mal frieren würde. Für uns war es einfach nur ein lauwarmer Fön. Frieren in Vietnam ist irgendwie anders.

Der Kreislauf der Kokosnuss

Für unsere erste Station gingen wir bei einer Ziegelfabrik von Bord. Von denen sieht man einige vom Fluss aus und man riecht schon von weitem die Öfen, in denen die Steine gebrannt werden. Zunächst aber werden die Steine mit einer händisch bedienten Maschine aus Lehm geformt, an der Luft angetrocknet und schließlich gebrannt. Das Interessante an diesem Stopp war aber nicht die Ziegelherstellung an sich, sondern die Tatsache, dass als Brennstoff Kokosnussschalen genutzt werden. Und zwar im großen Stil. Bergeweise haben sich in der Fabrik die Kokosnüsse aufgetürmt, sogar das Ufer, über das wir vom Boot zur Fabrik kamen, bestand nicht aus Sand oder Steinen, sondern aus Kokosnüssen. Die Fabriken hier haben ein richtiges Business damit aufgebaut. Die Kokosnüsse werden zunächst geöffnet, die Milch abgefüllt und das Fleisch herausgeschnitten. Beides wird an Firmen verkauft, die daraus Lebensmittel herstellen, die wir auch in Deutschland im Regal finden, zum Beispiel Kokosmilch. Die Kokosnussschalen werden dann in den Öfen zur Ziegelherstellung genutzt und die Asche danach als Dünger auf Feldern verwendet. Ein geschlossener Kreislauf also, ziemlich cool. Cool war auch die Tatsache, dass wir hier wirklich in einer ganz normalen Fabrik waren und ganz normal um uns herum gearbeitet wurde. Wir waren zwar mit Sicherheit nicht die einzigen Touristen, die hier durchgeführt werden, aber es war auf jeden Fall eine authentische Erfahrung und kein für Touris hergerichteter Spot.

Unsere Entdeckung des Tages: Coconut Candy

Um Kokosnüsse ging es auch bei unserem nächsten Halt. Die Region des Mekongdelta ist unter anderem für eine Süßigkeit bekannt: Coconut Candy. Das sind süße Bonbons aus Kokosmilch, Zucker und Malz. Alles wird zu einem Sirup erhitzt, abgekühlt und dann in kleine Stücke geschnitten und verpackt. Wir waren hier aber ganz klar nicht in einer authentischen Fabrik, sondern an einem klassischen Touri-Stopp. Es gab einen richtigen Steg und von dem aus ist man direkt in eine Mischung aus Produktions-Showroom und Souvenirshop gelaufen. Trotzdem war es nett, sich die Produktion der Bonbons anzuschauen. Wir konnten ganz frisch gemachte probieren (noch warm schmecken sie besonders gut) und fertig verpackte direkt dort (für überraschend kleines Geld) kaufen. Wir haben uns welche mit Erdnüssen und Kakao gegönnt, von denen wir noch einige Wochen gezehrt haben. Ansonsten gab es in dem Shop noch jede Menge typischen Ramsch – natürlich aus Kokosnüssen – zu kaufen, aber auch sehr kuriose Sachen wie „snake wine“, also tatsächlich Schlangen eingelegt in hochprozentigem Alkohol, der angeblich sehr gesund sein soll. Klar. Wir haben dankend abgelehnt, sowohl was das Probieren als auch den Kauf angeht (kommt nicht so gut im Handgepäck). Bevor es weiter ging, gab es noch einen Obstteller zur Stärkung und eine unnötige Performance der Angestellten, die zu Live-Dudelmusik eine Art Musical über die harte Arbeit auf den Feldern aufführten (zumindest war das unsere Interpretation des Dargebotenen, denn gesungen wurde auf Vietnamesisch). Gut, hätten wir jetzt nicht gebrauch. Dafür war das Obst lecker.

Rudern durch die Seitenarme

Nach einer weiteren Bootsfahrt ging es zu Fuß weiter durch ein kleines Dorf irgendwo südlich von Ben Tre. Als nächstes stand eine kurze Fahrt mit dem Tuktuk an, bevor es mit einem kleinen Ruderboot weitergehen sollte. Während wir auf das Tuktuk gewartet haben, haben wir uns eine kleine Weberei angeschaut, in der von Hand Teppiche, Matten, Taschen und generell alles Mögliche aus Seegras gewebt werden. Unser Guide erklärte uns, dass immer noch Matratzen aus diesem Material hergestellt werden, da die meisten Wohnungen nicht klimatisiert sind und die Seegrasmatratzen für eine gute Belüftung sorgen. Ob die Weberei ein geplanter Stopp war oder nur zum Zeitvertreib diente, bis das Tuktuk kam, wissen wir nicht. Wahrscheinlich war es schon irgendwo geplant, denn natürlich konnte man auch hier Souvenirs kaufen. Dann ging es mit dem Tuktuk durch kleine schmale Wege zu einem sehr kleinen Seitenarm des Mekong, an dem wir in ein kleines Ruderboot umgestiegen sind. Zwei Frauen, eine vorne und eine hinten, manövrierten uns geschickt durch den schmalen Fluss. Man hörte nur das Plätschern von Wasser und die Natur um uns herum. Diese kleinen Arme kann man mit keinem Motorboot befahren und lernt man wohl nur mit einer geführten Tour kennen. Definitiv ein Highlight für uns!

Mittagessen, einsame Rückfahrt und Fazit

Zum Abschluss der Tour machten wir bei einem Restaurant Halt, zu dem uns das Ruderboot brachte. Es gab ein sehr üppiges Mittagessen. Unser Tisch war voller Teller und Schalen und jedes Mal, wenn wir dachten, jetzt kommt nichts mehr, wurde noch ein weiteres Gericht gebracht. Anscheinend war das eine normale Ration für jemanden, der hier körperlich anstrengend auf dem Feld oder auf dem Fluss arbeitet. Unser Guide hat mitgegessen und erklärt, was uns alles serviert wurde und wie man was kombiniert. Unsere Lieblinge waren das Morning Glory (gegarter Wasserspinat) und Sour Soup, eine Nudelsuppe mit Ananas, durch die alles einen für uns ungewohnten, aber echt leckeren säuerlichen Geschmack bekam. Wir haben uns richtig vollgefressen und trotzdem blieb über die Hälfte übrig (auch wenn uns unser Guide mehrfach animierte, noch mehr zu essen). Wir konnten übrigens im Vorfeld der Tour anmelden, dass das Mittagessen rein vegetarisch sein soll (auch wenn uns dadurch eine Spezialität der Region, gegrillter Elephant Ear Fish, entging). Nach der Völlerei verabschiedete sich unser Guide, weil er schon zur nächsten Tour musste. Wir sollten noch in Ruhe aufessen (guter Witz) und dann wartete bereits ein neues Boot auf uns (diesmal wieder mit Motor), das uns zurück zum Hotel bringen sollte. Das Boot war etwas überdimensioniert für uns alleine, normalerweise hätte hier eine ganze Reisegruppe Platz gehabt. Aber zu diesen noch jungen post-Covid-Zeiten waren zwei Leute vermutlich schon eine akzeptable Reisegruppe.

Uns hat die Tour sehr gefallen. Wir haben viel über Ben Tre und die Region gelernt, viele tolle Eindrücke bekommen und super lecker gegessen. Die Tour war zwar nicht günstig, dafür bekam man aber auch viel geboten – und immerhin war es eine private Tour (wobei wir nicht mit Sicherheit sagen können, ob das wirklich so war oder wir einfach die einzigen an diesem Tag waren). Und ohne Tour hätten wir die Region bei weitem nicht so ausführlich und authentisch kennengelernt wie an diesem Tag. So eine Tour in einer ohnehin schon touristisch nicht sehr erschlossenen Stadt wie Ben Tre zu machen, hilft vermutlich zusätzlich, einen wirklich echten und unverfälschten Eindruck von der Gegend zu bekommen. Unser Zwischenstopp in Ben Tre hat sich definitiv gelohnt. Für morgen stand die Weiterreise nach Can Tho auf dem Programm. Es sollte wieder deutlich touristischer werden.