Die Golden Gate Bridge und ein neuer Schrittrekord

Die Golden Gate Bridge ist das Wahrzeichen von San Francisco. Besonders schön ist sie bei Sonnenaufgang am Battery Spencer mit Blick Richtung Südosten. Dafür muss man einmal über die Brücke fahren. Da an der Golden Gate Bridge die Stadtgrenze verläuft, kommen die normalen Linienbusse nicht infrage. Stattdessen kann man einen Bus des Golden Gate Transit nehmen. Die Linien decken einen größeren Bereich der Stadt und ihres Umlands ab, gehören aber nicht zum Stadtnetz und können daher auch nicht mit dem beliebten Munipass genutzt werden, mit dem man die normalen Linienbusse oder die Cable Cars nutzen kann. Um über die Brücke zu kommen bleiben also ein eigenes Auto, ein Taxi, ein Fahrrad oder die Füße und viel Zeit – die Brücke ist nämlich fast drei Kilometer lang. Um rechtzeitig zum Sonnenaufgang am Battery Spencer zu sein, sind wir um 5:30 Uhr aufgestanden und haben um kurz nach 6 den Bus Nummer 130 genommen – beziehungsweise wollten ihn nehmen. Wir standen zwar pünktlich am richtigen Häuschen und die 130 kam auch, sie ist aber ohne langsamer zu werden einfach an uns vorbei gerauscht. Sicher sind wir uns bis heute nicht, wir glauben aber, dass die Busfahrer nur halten, wenn man ihnen ein eindeutiges Handzeichen gibt.

Ein bisschen enttäuscht, dass wir den einzigartigen Blick an diesem Morgen wohl nicht mehr zu sehen bekommen, haben wir einen anderen Bus genommen, der uns nur bis kurz vor die Brücke bringen würde. Doch das Schicksal meinte es gut mit uns und der Bus, in dem wir saßen, holte die 130 ein, sodass wir kurz vor der Brücke umsteigen konnten. Von der ersten Haltestelle nach der Brücke geht’s 20 Minuten zu Fuß zum Battery Spencer. Außer uns waren nur wenig andere Leute da, sodass wir die Ruhe total genießen konnten. Der Blick auf die Brücke in diesem besonderen Licht gehört definitiv zu den Highlights unserer Tage in San Francisco. Übrigens: Wer über die Brücke fahren will, muss Maut zahlen, entweder direkt als Selbstfahrer, oder indirekt verrechnet in der Taxifahrt oder im Busticket.

Busfahrer können nicht wechseln. Entweder das Geld passend in bar dabeihaben (eine Fahrt kostet je nach Strecke und Linie um die 5$) oder die CLIPPER-Card nutzen, die man an Automaten mit Geld aufladen kann. Mit etwas Glück lassen einen die Busfahrer auch hin und wieder umsonst mitfahren. Man sollte das allerdings nicht herausfordern.

Presidio und Lombard Street

Man sieht sich zwar kaum satt, doch irgendwann haben wir uns von der Golden Gate Bridge losreißen können und sind den Rückweg in die Stadt angetreten. Das war zunächst eine weitere Fahrt mit dem Bus 130, aber nur eine Station über die Brücke. Von da sind wir gelaufen, auf der Karte sah das gar nicht so weit aus … Eigentlich nur durch den Park und schon ist man wieder in der Innenstadt. Stimmt auch, nur ist der Presidio, wie der Park an der Südseite der Golden Gate Bridge heißt, kein kleiner Stadtpark, sondern eine sechs Quadratkilometer große Fläche. Früher war er mal ein Militärstützpunkt, heute ist er ein Erholungsgebiet. Außerdem sind hier Firmen ansässig, zum Beispiel Lucas Film. Deshalb gibt’s dort auch einen Yoda-Brunnen, den wir aber nicht gefunden haben. Es sind noch viele alter Wohnhäuser und Gebäude hier zu finden und auch das Walt Disney Family Museum könnte einen Besuch wert sein. Es gibt noch eine große Wiese, Crissy Field, wo Leute chillen, Spazieren gehen oder Sport machen. Außerdem kann man auch von hier noch einige gute Blicke auf die Golden Gate Bridge erhaschen.

Nachdem wir irgendwann endlich den Presidio hinter uns gelassen haben, wurde uns wieder bewusst, wie steil die Stadt ist. Alle Steigungen, die wir bislang elegant dem Bus überlassen hatten, mussten wir jetzt zu Fuß erklimmen. Unser nächster Stopp war die Lombard Street, quasi das Postkartenmotiv aus San Francisco. Wer die Wahrzeichen der Stadt abklappern möchte, kommt um die Lombard Street nicht herum. Das ist eine Straße mit krass vielen engen Kurven und dient der Verkehrsberuhigung in dem Bereich. Im Sommer blüht es dort so, wie man es auf jeder zweiten Postkarte bestaunen kann. Als wir dort waren, sah alles noch etwas trist aus. Wer es unbedingt gesehen haben will, sollte vorbeikommen. Für uns war es kein besonderes Highlight. Weder optisch noch sonst wie. Der Vorteil war aber: Hatten wir es einmal zur Lombard Street geschafft, konnte es eigentlich nicht mehr anstrengender werden (wenn man nicht grad zum Coit Tower will, der noch höher gelegen ist). Für uns ging es ab jetzt nur noch bergab – zum Glück aber nur geografisch.

Vom seelöwenfreien Pier 39 und einem Cable Car ohne Aussicht

Unser Weg führte uns noch einmal zum Fisherman’s Wharf. Das Viertel hatte es uns irgendwie angetan. Heute zog es uns aber in eine Ecke, die wir gestern noch ausgelassen hatten: den Pier 39. Dabei handelt es sich im Grunde um eine Dauerkirmes mit Karussell, Kinderbespaßung, Fast Food-Läden und Souvenir-Shops. Hier hat man auch einen Blick auf die Seelöwen-Plattformen im Hafen, auf denen sich eigentlich hunderte Seelöwen tummeln sollen. Als wir dort waren, waren sie komplett leer. Vielleicht war es den Seelöwen noch zu kalt. Wir haben uns nicht allzu lange auf dem Pier aufgehalten. Er hat einen gewissen Charme, aber es war ziemlich voll, trotz Nebensaison. Für das echte Flair des Fisherman’s Wharf ist man hier eher falsch.

Für den Rückweg zum Hotel haben wir uns eine Fahrt mit einem Cable Car aufgespart. Das kam unseren geschundenen Füßen auch sehr entgegen. Kirstens Schrittzähler meldete eine neue Bestleistung von knapp 30.000 Schritten. Auf jeden Fall zu viel Bewegung für uns faule Säcke. Bei den Cable Cars handelt es sich um ein historisches öffentliches Verkehrsmittel, das mit einem Seil auf Schienen von A nach B gezogen wird. Überall liest man, eine Fahrt damit sei ein Muss. Wir sehen das im Nachhinein ein bisschen anders. Es war schon lustig, wenn der Wagen über die hügeligen Straßen düst und bergab bekommt man auch echt Speed drauf. Allerdings ist es nur cool, wenn man einen der nach außen gedrehten Plätze ergattern konnte. Im hinteren Teil der Waggons schaut man sein Gegenüber an und wenn viele Leute zusteigen, schaut man zwischendurch nur auf fremde Ärsche.

Die Chance auf ein Foto von einem der historischen Wagen ergibt sich oft genug, wenn man durch die Straßen der Stadt schlendert oder gezielt einen der Endpunkte ansteuert, wo die Wagen per Hand von ein paar Leuten auf einer großen Drehscheibe umgedreht werden, um wieder in die andere Richtung zu fahren. Zum Beispiel an der U-Bahn-Station Powell Street.

Mit der Powell/Hyde Linie fährt man einmal durch die Stadt und es geht schön auf und ab. Wie eine kleine Achterbahnfahrt. Wer am Startpunkt einsteigen will, braucht Geduld. Wir haben circa 30 Minuten gewartet. Das Ticket kostet 8$ pro Person und man kann es vorher am Schalter oder in der App kaufen. Beim Schaffner im Cable Car muss man passend zahlen.