Cozumel Teil 2: Schnorcheln, El Cielo und (k)ein Beachclub

Wenn man auf Cozumel eins vermisst, sind es die Strände. Die finden sich, wenn überhaupt, auf der unbebauten Ostseite der Insel. Hier ist das Wasser aber nicht nur sehr schroff, weil die Wellen ungebremst vom offenen Meer auf die Insel treffen, sondern auch – man ahnt es – aktuell voller Seegras. Die Strände auf der Westseite sind wie versprochen seegrasfrei, da das Sargassum hier einfach nicht an Land trifft und eher weiter Richtung Playa del Carmen strömt, allerdings oft Teil von Strandclubs. Dagegen ist an sich nicht viel einzuwenden, das bedeutet immerhin erstens eine gute Infrastruktur mit Liegen, Verpflegung und Toiletten und zweitens sauber gehaltene Strände. Zwei Nachteile gibt es trotzdem. Einer davon sind die Eintrittspreise, die die Beachclubs ausrufen. Die betragen nicht selten 20 Euro und aufwärts. Auch der Buccanos Beach Club, den uns unsere Gastgeberin empfohlen hatte, kostete so viel Eintritt, allerdings in Form von Mindestverzehr. Wenn man den ganzen Tag am Strand abhängt, kommt man wahrscheinlich ohnehin auf diese Kosten, denn Hunger und Durst wollen natürlich gestillt werden. Wir haben uns daher auf die 20 Euro eingelassen und sind mit einem Taxi (nochmal 5 Euro) von unserer Unterkunft zum Buccanos gefahren, das nördlich der Stadt liegt.

Und damit sind wir beim zweiten Nachteil der Beachclubs: Die sind regelmäßig voll und ausgebucht, wenn Kreuzfahrtschiffe auf Cozumel anlegen. Viele Clubs arbeiten mit den Reedereien zusammen und die Kreuzfahrtgäste können noch auf dem Schiff einen Tagesausflug samt Transport und Eintritt zu etlichen Beachclubs buchen. Das wurde leider auch uns zum Verhängnis. Schon als wir ins Taxi gestiegen sind, sahen wir zwei große Kreuzfahrtschiffe, die den Abend zuvor oder früh morgens angelegt haben mussten. Und die böse Vorahnung bestätigte sich am Beach Club, wo man uns zwar reingelassen hätte, aber keine einzige Liege mehr frei gewesen wäre. 20 Euro pro Person, um auf dem Boden oder im Sand zu sitzen? Nein danke. Und leider sah es in den benachbarten Beach Clubs ähnlich aus. An vielen standen selbst die Shuttlebusse Schlange, um die Kreuzfahrer entweder abzuliefern oder wieder abzuholen. Und die Clubs, die noch Kapazitäten hatten, waren einfach nicht schön oder begrüßten uns schon beim Betreten mit so nerviger und lauter Musik, dass wir hier eher 20 Euro Entschädigung verlangt als Eintritt bezahlt hätten. Wir schlossen das Kapitel „Beach Club Day“ dann ab und machten uns auf den Rückweg in die Stadt. Allerdings zu Fuß, denn nochmal 5 Euro fürs Taxi ausgeben wollten wir irgendwie auch nicht. War am Ende aber trotz knapp vier Kilometern auch gar nicht so schlimm, denn so hat man viel von Cozumel gesehen, was man sonst nicht gesehen hätte. Hauptsächlich kamen wir an Apartmentgebäuden vorbei, jedes davon mit eigenem Pool und Zimmern mit Meerblick. Sollten wir nochmal nach Cozumel kommen, wäre das hier auf jeden Fall eine Option – zumindest, wenn das Budget höher ist. Am Ende machten wir Halt an einem kleinen, öffentlichen „Strand“, an dem das Wasser zwar schön war, die Felsen aber nicht wirklich zum Baden einluden. Stattdessen gab es eine Kokosnuss, um die ausgeschwitzte Flüssigkeit einigermaßen wieder aufzufüllen. Und später noch einen der besten Burritos, die wir je gegessen haben. Ein Strandtag ist es leider nicht geworden. Dafür aber ein schöner Spaziergang durch Cozumels Norden.

Schnorcheltour auf Cozumel

Wenn es eins gibt, was man auf Cozumel auf jeden Fall machen muss, dann ist es El Cielo besuchen. Da sind sich irgendwie alle einig, egal, wen man fragt. El Cielo ist ein kleiner Strandabschnitt am südlichen Ende Cozumels und nur mit einem Boot zu erreichen. Ähnlich wie in Bacalar führt hier eine Kombination aus sehr flachem Wasser und weißem feinen Sand zu einer sehr schönen türkisblauen Färbung des Wassers. Erstmal nichts, was wir nicht schon gesehen hätten, aber so etwas ist auch nach dem hundertsten Mal nicht langweilig. Besonders dann nicht, wenn ein Ausflug dorthin mit einer Schnorcheltour kombiniert wird. Wir haben die Tour über unsere Gastgeberin gebucht – und hatten großes Glück, denn El Cielo war wegen starkem Wind ein paar Tage gesperrt, auf den letzten Drücker unseres Aufenthalts aber wieder geöffnet worden.

Vom Fähranleger ging es für unsere Gruppe zunächst mit einem großen Taxi zu einem kleineren Hafen nördlich der Kreuzfahrtterminals (hier stellten wir dann fest, dass es mehr als einen Anleger für die schwimmenden Hotels gibt; und dass es bei fünf (!) Kreuzfahrtschiffen kein Wunder ist, wenn die Beach Clubs überfüllt sind) und dann mit einem kleinen Boot zum ersten Stopp: Paradise Beach. Hier im tiefblauen und klaren Wasser zu schnorcheln war nicht nur wunderschön, es stellte auch unseren vorherigen Schnorcheltrip auf Bali ganz klar in den Schatten. Am Paradise Beach konnte man auch schon Ausläufer des zweitgrößten Riffs der Welt erkennen, das sich bis runter nach Belize zieht. Am zweiten Stopp, Playa Palancar, haben wir unsere ersten Seesterne gesehen. Sehr lustig, wie die behäbig über den Sand laufen. Und der ein oder andere Stachelrochen hat sich hier auch blicken lassen. Warum auch nicht? Es wurde übrigens explizit untersagt, die Seesterne zu berühren. Ein großes Plus des Touranbieters, denn das Verbot sprechen nicht alle Anbieter aus. Als letzter Stopp war dann El Cielo dran – und der Strand machte seinem Namen wirklich alle Ehre. Es war einfach himmlisch, hier im flachen warmen Wasser zu treiben – vor allem mit dem ein oder anderen Getränk, das im Tourpreis enthalten war (noch ein großes Plus). Unser Boot war zwar bei weitem nicht das einzige, man konnte aber genug Abstand zu anderen Gruppen halten. Auf unserer Rückfahrt gab es dann noch den ein oder anderen Margherita – in der Low-Budget-Boot-Variante bestehend aus (vermutlich sehr billigem) Tequila und Sprite. Kann man machen, muss man aber nicht. Vor allem muss man es nicht so übertreiben wie der Familienvater, der mit uns auf Tour war und am Ende von seinen Töchtern vom Boot getragen werden musste. Der hatte am nächsten Tag definitiv den Kater seines Lebens und ansonsten keinerlei Erinnerungen mehr an die Tour. Dafür wären 40 Euro eindeutig zu viel gewesen. Mit Erinnerungen und einigen tollen Unterwasseraufnahmen hat sich das Geld aber mehr als gelohnt. Wir können die Einigkeit, was El Cielo und das Schnorcheln (und ggf. Tauchen) betrifft, jetzt auf jeden Fall nachvollziehen. Und die Empfehlung unbedingt weitergeben: Wenn Cozumel, dann El Cielo!