Chefchaouen: Die blaue Stadt
Unser erstes Riad
Mit Chefchaouen stand als nächstes ein einerseits sehr bekanntes, aber gleichzeitig trotzdem vergleichsweise selten besuchtes Ziel auf unserem Programm. Das Bergdorf ist wegen seiner endlos vielen blau bemalten Gebäude in der Altstadt seit längerem ein beliebtes Ziel für Tagestouristen aus dem In- und Ausland. Sieht man auf Instagram ein Foto einer sehr blauen Straße, stammt es mit ziemlicher Sicherheit aus Chefchaouen. Die Stadt ist durch ihre Lage im Atlasgebirge allerdings deutlich schwieriger zu erreichen als andere. Sie ist einerseits nicht an das eh schon spärliche Schienennetz Marokkos angebunden, andererseits aus den nächstgrößeren Städten nur über mehrstündige Busfahrten zu erreichen. Eine solche hat uns natürlich nicht abgehalten, außerdem waren wir deutlich längere gewohnt als die drei Stunden von Tanger bis nach Chefchaouen. Allerdings hätten wir wieder gerne Plätze ganz vorne gehabt, die aber leider schon reserviert waren. Die kurvenreiche Strecke ist uns nämlich irgendwie ziemlich auf den Magen geschlagen und ein Blick nach vorne hätte dem bestimmt zumindest teilweise vorgebeugt.
Die Übelkeit wich nach der Ankunft schnell der Erschöpfung, denn unser Taxi konnte uns wieder mal nur bis an den Rand der Medina fahren. Den Rest der teils steilen Straßen und vielen Treppen mussten wir zu Fuß schaffen. Und hier haben wir schon einen ersten Eindruck davon bekommen, wie touristisch es hier zugehen würde. Nicht nur war die Zahl an Touristen eine viel höhere, auch die Masse an Ständen und Straßenverkäufern mit dem üblichen Touri-Nippes stach sofort ins Auge. Wir kämpften uns erst einmal zu unserer Unterkunft durch, ohne dem Ganzen große Beachtung zu schenken. Dafür hatten wir noch genug Zeit, denn wir hatten uns im Gegensatz zu vielen anderen Touristen gegen einen Tagestrip entschieden, sondern uns für zwei Tage ins Riad Nerja eingebucht. Das liegt mitten in der Altstadt von Chefchaouen und war genauso gestaltet, wie man sich ein Riad in dieser Stadt vorstellt. Sowohl die allgemeinen Bereiche als auch die Zimmer selbst waren im typischen Blau gehalten. Unser Zimmer war zwar klein, aber gemütlich und wir haben uns schnell wohlgefühlt. Highlight und Schwachstelle zugleich war die Dachterrasse. Die verschenkte sehr viel Potential durch fehlenden Regenschutz (den es gebraucht hätte) und alte, kaputte Möbel, die die Terrasse insgesamt sehr uneinladend machten. Andererseits wohnte auf dem Dach eine Katzenmama mit ihrem kleinen, erst wenige Wochen alte Baby, das wir sofort ins Herz geschlossen hatten (und umgekehrt). Am liebsten hätten wir es eingesteckt und mitgenommen.
Durch die blaueste Medina Marokkos
Wir sind sowohl an unserem Ankunftstag als auch an unserem vollen nächsten Tag durch die Medina von Chefchaouen gelaufen. Viel mehr und anderes gibt es hier auch gar nicht zu tun. An unserem Ankunftstag schien noch die Sonne, am Tag darauf gab es viel grauen Himmel mit einigen Regenschauern. Beides kam uns aber irgendwie entgegen, denn am ersten Tag waren während unseres Streifzuges die meisten Tagestouristen schon weg, am zweiten Tag kamen wegen der nicht sehr guten Wetteraussichten und trotz Sonntag viel weniger als angenommen. So hatten wir viele der unglaublich fotogenen Gassen teilweise für uns – oder konnten zumindest fast überall in Ruhe unsere Fotos schießen, ohne dass hunderte Touristen im Weg standen. Die Medina war zwar immer noch voll – was wegen ihrer Schönheit und gleichzeitig wegen der typischen Enge der Gassen verständlich ist – uns hat es hier trotzdem gefallen. Die blaue Farbe, obgleich irgendwie der einzige Grund für einen Besuch der Stadt, holt wirklich sehr viel aus so einer Altstadt raus. Auch für das leibliche Wohl ist für die Touristen in Chefchaouen in sehr vielfältiger Weise gesorgt. Wir haben einmal eher westlich-orientalisch auf der Dachterrasse des Café Clock gegessen, einmal eher traditionell marokkanisch im Lalla Messaouda – jeweils sehr lecker. Außerdem haben wir außerhalb der Altstadt im Hinterzimmer einer irgendwie zwielichtig wirkenden Bar (echtes) Bier kaufen können. Man muss nur wissen, wies geht.
Chefchaouen lag eh auf dem Weg unserer Reise von Tanger nach Fes und wird außerdem täglich von den CTM-Bussen angefahren. Deshalb konnten wir die Stadt sehr gut auf unsere Route einbauen und waren auch wirklich positiv angetan. Einen Tagesausflug hätten wir aber vermutlich im Nachhinein etwas bereut, denn je nach Ausgangsort sitzt man mehr im Bus oder Auto als durch die Stadt zu laufen. So aber wird uns Chefchaouen in guter Erinnerung bleiben. Als einerseits doch typische marokkanische Stadt, aber andererseits ganz anders als alles, was wir sonst vom Land gesehen haben.