Acht Tage Seeblick Teil 2: Die vielen schönen Orte am See Atitlan
Bunt, bunter, San Juan
Wer den schönsten Ort am Atitlan-See besuchen will, stößt ziemlich schnell auf San Juan. Hier soll es kunterbunte Straßen geben, die man noch abseits der Touristenmassen genießen kann. Das ist unter anderem dadurch begründet, dass ausländische Investoren in San Juan kein Land kaufen dürfen, sodass man selbst kleine Hotels hier nur sehr begrenzt vorfindet. An sich also eine tolle Kombination, schöner Ort, wenig Touristen, ein echter Geheimtipp. Für uns auch sehr praktisch: San Juan liegt direkt neben San Pedro, war für uns also nur eine kurze Tuktukfahrt entfernt. Und tatsächlich wurde erstmal jede Menge von dem gehalten, was versprochen war. Zweimal abgebogen standen wir plötzlich in der buntesten und mit Abstand schönsten Straße unserer gesamten Reise. Die Wände waren bunt, die Straßen waren bunt, selbst ein ganzer Sportplatz war bunt. Allein für diese eine Straße lohnt sich ein Ausflug nach San Juan, selbst, wenn man dafür mit dem Boot von einer weiter entfernten Stadt anreisen muss. Auch die Straße, die runter zum Bootsanleger von San Juan führt, ist kunterbunt und farbenfroh. Hier waren wir dann aber auch bei weitem nicht mehr die einzigen Besucher, denn auf dieser Straße befinden sich mittlerweile nicht nur zahlreiche Läden, sondern auch Restaurants und vereinzelt auch Hotels. Dementsprechend tummeln sich hier auch die meisten Besucher, entweder, weil sie hier untergebracht sind (und sich 90% des Sehenswerten an San Juan auf dieser Straße abspielt) oder weil sie mit dem Boot aus einer anderen Ortschaft für einen Kurztrip hier ankommen. Was das angeht, stellte sich San Juan als typischer „Geheimtipp“ heraus: also voller Touristen. Wir konnten aber verstehen, warum sie kommen. Denn mit einem haben die Reiseführer trotzdem weiterhin recht: San Juan ist definitiv einer der schönsten Orte am See, wenn nicht von ganz Guatemala.
Kurztrip nach San Marcos
Für einen zweiten Kurzbesuch haben wir uns das Städtchen San Marcos ausgesucht. Das liegt eine kurze Seeüberquerung von San Pedro entfernt und gilt als Hippie- und Yogaparadies des Atitlan-Sees. Auch hier überschlagen sich viele Reiseführer vor Begeisterung und empfehlen den Ort vor allem denen, die Ruhe und Entspannung suchen – und vielleicht auch denen, die krampfhaft anders sein wollen. Der Ort gibt sich dafür jedenfalls große Mühe. Der für Touristen interessante Teil beschränkt sich auf eine schmale Gasse vom Bootsanleger hoch zur Hauptstraße, links und rechts gesäumt mit Läden für Esoterik-Schnickschnack, aber auch mit vielen Restaurants, Cafés und Shops für Klamotten und (Bio-)Lebensmitteln. Aber eben alles auf Hippie getrimmt. Für Fans von Dinkelcroissants mit Bio-Avocado und energetisch aufgeladenen Chia-Samen genau das richtige, wer hier ne Pommes bestellt, wird vermutlich vom Hof gejagt. Auf uns wirkte das alles irgendwie sehr aufgesetzt, schien aber genug Publikum anzuziehen. Auch hier war es dementsprechend voll, die schmale Gasse tat ihr übriges. Die proklamierte Erholung findet man wohl eher in den Unterkünften, die sich in kleineren Nebengassen abseits der wuseligen Hauptgasse befinden. Uns hat San Marcos jetzt nicht wirklich in seinen Bann gezogen, aber für einen kurzer Besuch – und wenn nur dafür, um sich einen eigenen Eindruck zu verschaffen – war es die Reise wert gewesen.
Überraschend schönes Panajachel
Auch über Panajachel wissen sich Reiseführer und Blogs recht einheitlich auszulassen. Als größter Ort am See genießt er nicht gerade einen guten Ruf, zu voll und zu laut soll es sein; zu viele Touris und zu viele aufdringliche Händler soll es hier geben. Wir haben dem Ort trotzdem für zwei Nächte eine Chance gegeben, hauptsächlich deshalb, weil unser nächstes Shuttle hier früh morgens abfahren würde und wir nicht erst von San Pedro aus loswollten. Außerdem war mal wieder Wäschewaschen angesagt, wofür es auch nicht schlecht ist, im größten Ort mit der vielseitigsten Infrastruktur zu sein.
Panajachel liegt von San Pedro aus auf der anderen Seeseite, deshalb ging es für uns mit dem Boot dort hin. Der Zufall wollte es so, dass es an diesem Tag besonders windig war. Die Wellen waren zwar immer noch nicht riesig, aber die kleinen Lanchas haben bei diesem Wetter schon ganz schön zu kämpfen. Es war eine ziemlich holprige Fahrt und die Leute, die vorne saßen, bekamen eine kostenlose Dusche. Wir wähnten uns also in einer ganz guten Situation, unsere Rucksäcke, die oben auf dem Boot mitfuhren, wurden leider ebenfalls geduscht. Gut, dass wir erstens eh waschen mussten und zweitens alles zwei Tage Zeit hatte, zu trocknen… Unser Hotel in Panajachel war das Sueno Real, ziemlich zentral an der Seepromenade, aber durch seine Lage in einer kleinen Seitenstraße trotzdem sehr ruhig. Unsere Erwartungen waren eher gering, nicht zuletzt, weil es die mit Abstand günstigste Unterkunft unserer Guatemala-Reise war, aber wir haben uns dort richtig wohl gefühlt. Auch hier gab es eine Dachterrasse und der Blick war nochmal besser als unser letzter! Der See- und Vulkanblick war genial und spätestens beim Sonnenuntergang ein einziges Postkartenmotiv. Hier würden wir sofort wieder übernachten.
Und auch generell waren wir von Panajachel sehr positiv überrascht. Es war nicht voller als in den anderen Orten am See, die so verschrienen Händler waren da, aber überhaupt nicht aufdringlich – wir konnten im Gegenteil überall in Ruhe gucken, ohne bedrängt zu werden. Der Ort ist mit Sicherheit keine Schönheit wie San Juan, aber als Ausgangsort für einen Atitlan-Aufenthalt mindestens genauso geeignet wie jeder andere Ort. Auch hier gilt mal wieder: Reiseführer sind alles andere als objektiv und der eigene Eindruck kann davon sehr stark abweichen. Anfangs hatten wir uns schwergetan, den für uns geeignetsten Ort am See zu finden. Jetzt können wir festhalten, dass sich im Grunde jeder Ort irgendwie eignet. Ein Balkon oder eine Terrasse mit Seeblick wäre nett. Und der Rest ergibt sich schon irgendwie.